15.01.2026
Andreas Büttner, Brandenburger Antisemitismusbeauftragter, im Gespräch über die Angriffe auf ihn

»Antisemitische Gewalt darf nicht relativiert werden«

Gleich zwei Attacken trafen den Antisemitismusbeauftragten des Landes Brandenburg und Politiker der Linkspartei, Andreas Büttner, Anfang des Jahres. Zunächst war ein Brandanschlag auf einen Schuppen auf seinem Grundstück verübt und auf sein Wohnhaus zudem ein rotes Dreieck gemalt worden, das die Hamas und ihre Sympathisanten verwenden, um Feinde zu markieren. Kurz darauf ging beim Landtag in Brandenburg ein Brief mit einer Morddrohung gegen Büttner ein. Die »Jungle World« sprach mit Andreas Büttner über die Angriffe, die Reaktion seiner Partei auf diese und linken Antisemitismus.

Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?
Uns geht es allen gut, niemand wurde verletzt. Das ist das Wichtigste. Aber natürlich geht so etwas nicht spurlos an einem vorbei. Wenn auf dem eigenen Grundstück ein Brand gelegt wird, wenn ein Hamas-Symbol an der Haustür auftaucht und kurz darauf eine Morddrohung eingeht, dann ist klar: Das richtet sich ganz konkret gegen mich. Das verändert das ­Sicherheitsgefühl – nicht nur bei mir, sondern auch bei meiner Familie.

Wie gehen Sie mit der Bedrohung um?
Ich lasse mich davon nicht einschüchtern. Rückzug wäre genau das, was die Täter erreichen wollen. Gleichzeitig nehme ich die Bedrohung sehr ernst. Es gibt Sicherheitsmaßnahmen und laufende Ermittlungen. Aber ich sage ganz klar: Morddrohungen und Brandstiftung sind keine politische Zuspitzung, sie sind Gewalt. Und Gewalt darf in diesem Land niemals zum normalen Mittel politischer Auseinandersetzung werden.

»Jan van Aken hat mich am Montag angerufen und mir gesagt, es werde eine ­Erklärung geben. ­Wenig später stand er auf einer Pressekonferenz – und fand keine Worte. Das war enttäuschend.«

War die Solidarisierung Ihrer Parteiführung aus Ihrer Sicht ausreichend?
Nein, das war sie nicht. Jan van Aken hat mich am Montag angerufen und mir gesagt, es werde eine ­Erklärung geben. ­Wenig später stand er auf einer Pressekonferenz – und fand keine Worte. Das war enttäuschend. In einer solchen Situation braucht es klare, öffentliche Solidarität, ­keine Sprachlosigkeit.

Wie bewerten Sie die öffentliche Reaktion von Ines Schwerdtner?
Der Tweet, in dem gesagt wird, Gewalt und Hetzkampagnen hätten keinen Platz in der Linken, ist inhaltlich richtig. Aber er bleibt sehr allgemein. Wenn ein Antisemitismusbeauftragter Ziel eines Anschlags und einer Morddrohung wird, reicht ein abstrakter Satz nicht aus. Dann braucht es eine klare Benennung dessen, was passiert ist, und eine eindeutige Positionierung.

Fühlen Sie sich in Ihrer Partei nach den Debatten über den Konflikt zwischen der Hamas und Israel noch politisch aufgehoben?
Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie schwierig diese Debatten in der Partei geführt werden. Ich habe mich der »Linken« angeschlossen, weil ich davon ausgegangen bin, dass Antisemitismus immer klar benannt wird. In Teilen der Partei erlebe ich aber eine Relativierung – insbesondere dann, wenn es um ­Israel geht. Das macht es schwer, sich politisch wirklich getragen zu fühlen.

Was erwarten Sie jetzt konkret von Ihrer Partei?
Ich erwarte Klarheit und Haltung. Antisemitische Gewalt darf nicht relativiert werden – egal aus welchem politischen Umfeld sie kommt. Ich erwarte sichtbare Solidarität mit Menschen, die bedroht werden, und eine klare Abgrenzung gegen Antisemitismus in all seinen Formen. Alles andere beschädigt die Glaubwürdigkeit – nicht nur der Partei, sondern der politischen Kultur insgesamt.