15.01.2026
Her mit der Brandmauer gegen Dummheit und Verrohung!

Homestory #03/2026

Der großflächgige Stromausfall in Berlin ist vorbei, doch der Ärger über die vermeintlichen Klimaschützer klingt so wenig ab wie der Husten, mit dem man sich jetzt herumschlagen muss.

Inzwischen hat man auch in seinem Homeoffice im Südwesten Berlins wieder Strom, U- und S-Bahnen fahren, das Internet geht, man kann seine Redaktion wieder erreichen und einkaufen gehen. Der Ärger über die vermeintlichen Klimaschützer klingt aber so wenig ab wie der Husten, mit dem man sich jetzt herumschlagen muss.

Dabei schien es erst mal nur ein Stromausfall an einem kalten Wintermorgen zu sein. Damit kommt man klar. Und die ernsthafteren Folgen vor allem für die vielen Krankenhäuser, Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen, die es hier am Stadtrand gibt, würden sich durch den Einsatz von Notstrom, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk schon einigermaßen bewältigen lassen. Wobei einem schon bewusst war, dass der Blackout eine Nachbarschaft trifft, in der viele Ältere und Hochbetagte leben; Menschen also, die von Kälte, Dunkelheit und Isolation besonders angegriffen sein würden.

Es gibt hier natürlich auch die Villenbewohner, die in keinem Zeitungsartikel zum Thema fehlen dürfen. Es sind Leute, die jeden Stromausfall in komfortablen Hotels oder hübschen Zweitwohnungen locker überstehen. Aber sie sind eben nicht die Masse der Wohnbevölkerung in Steglitz-Zehlendorf.

Mit dem verquasten Bekennerschreiben einer sogenannten Vulkangruppe, das man auf dem bereits schwächelnden Handy lesen konnte, entpuppte sich der Blackout als Anschlag und unverhohlene Vorschau einer dunkelgrünen Triage, in der Menschen zu Kollateralschäden des eigenen Treibens werden.

Der Stromausfall war dann aber kein Unfall. Mit dem verquasten Bekennerschreiben einer sogenannten Vulkangruppe, das man auf dem bereits schwächelnden Handy lesen konnte (»Wenn es zu längeren Ausfällen in privaten Haushalten kommt, wollen wir hiermit deutlich machen, sie sind nicht Ziel des Angriffs. Und dieser Effekt war von uns weder beabsichtigt noch kalkuliert«), entpuppte sich der Blackout als Anschlag und unverhohlene Vorschau einer dunkelgrünen Triage, in der Menschen zu Kollateralschäden des eigenen Treibens werden.

Geradezu bizarr die Aufforderung der Täter an die eventuell von »unserer Abschaltung der Gaswerks« in »Mitleidenschaft gezogenen Haushalte: Klingeln Sie bei Ihren Nachbar:innen an. Bedenken Sie, ältere oder hilfsbedürftige Menschen bei einem Ausfall des Stroms mitzuversorgen.« Klingeln beim Stromausfall?

Ernsthaft? Als seien Klingeln, Gegensprechanlagen, Türöffner, Tore und Aufzüge nicht lahmgelegt, als hätten Pflege- und Rettungsdienste nicht Mühe gehabt, sich zu den Bedürftigen vorzukämpfen.

Bitte eine Brandmauer gegen so viel Dummheit und Verrohung!
 

2 Personen in 1 Auto; 1 Schild "links" zeigt nach rechts; die mitfahrende Person sagt der Person hinter dem Lenkrad: "NEIIIN! DAS ANDERE LINKS!" Und zeigt dabei nach links.

(c) 18metzger