Primitive Anarchos
Gegen sechs Uhr morgens ging das Licht aus. Im Berliner Ortsteil Lichterfelde waren am frühen Morgen des 3. Januar mehrere Stromleitungen an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal in Brand geraten. Die Leitungen verbanden das Heizkraftwerk Lichterfelde mit mehreren Umspannwerken im Südwesten der Stadt. Die Folge war ein Stromausfall in sechs Ortsteilen des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. 45.000 Haushalte waren betroffen, bis zu vier Tage lang waren insgesamt 100.000 Menschen ohne Strom und – bei Dauerfrost – meist auch ohne Heizung. Es war der längste Stromausfall in der Stadt seit Ende des Zweiten Weltkriegs.
Dass es sich um Brandstiftung handelte, war schnell klar. Bereits am Tag des Feuers selbst wurde auf einem linken Online-Portal ein Bekennerschreiben veröffentlicht. Unterzeichnet war es mit »Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen«. Unter dem Namen »Vulkangruppe« waren seit Jahren Bekennerschreiben zu ähnlichen Anschläge veröffentlicht worden.
In den sozialen Medien kursierten umgehend Verschwörungstheorien, es handle sich in Wahrheit um eine False-Flag-Operation Russlands. Als Indizien wurde unter anderem eine falsche Schreibweise des Nachnamens des US-amerikanischen Vizepräsidenten (»Vans« statt »Vance«) genannt sowie die Tatsache, dass die AfD in der jüngsten Vergangenheit mehrere Anfragen zu kritischer Infrastruktur gestellt hatte.
Eine zentrale Figur des Anarchoprimitivismus ist der Philosoph John Zerzan, der das Wildbeutertum (früher bekannt als »Jäger und Sammler«) als ideale Lebensweise propagiert.
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