15.01.2026
Die menschliche Neigung zum Herumkokeln

Hocheffiziente Verbrenner

Die Menschheit, wie man sie heute kennt, gäbe es ohne die Beherrschung des Feuers nicht. Beim Erlernen dieser Fähigkeit war noch nicht zu ­erahnen, dass der menschliche Hang zum Herumkokeln einmal das Weltklima zum Kippen bringen würde.

Manchmal möchte man einfach nur alles anzünden. Und zwar nicht erst beim Blick auf die Nachrichten. In einer Höhle in Südafrika wurden Spuren einer prähistorischen Feuerstelle entdeckt, die offenbar regelmäßig genutzt wurde und auf ein Alter von einer Million Jahre datiert wird – lange, bevor der Homo sapiens existierte. Unklar ist, ob die Nutzer:innen dieser frühen Verbrennertechnologie die Glut selbst entfachten oder lediglich am Laufen hielten, nachdem sie brennendes Material aus Buschbränden in die Höhle gebracht hatten.

Die Menschheit, wie man sie heute kennt, gäbe es jedenfalls ohne die Beherrschung des Feuers nicht. Erhitzen machte Nahrung leichter verdaulich oder überhaupt erst genießbar, tötete Krankheitserreger ab und erleichterte durch Dörren oder Räuchern die Vorratshaltung. Die verbesserte Versorgung und ­erleichterte Verdauung gelten als entscheidende Faktoren bei der Entwicklung eines großen, leistungsfähigen Gehirns.

Nachdem erste Menschenformen sich von Afrika aus in nördlichere Gefilde ausgebreitet hatten, wurde die exotherme Reaktion auch als Wärmequelle wichtig. Allerdings kann nur spekuliert werden, wer erstmals selbst zündelte und wann dies geschah; schließlich ist einer prähistorischen Kochstelle nicht anzusehen, wie sie entstanden ist.

Nachdem erste Menschenformen sich von Afrika aus in nördlichere Gefilde ausgebreitet hatten, wurde die exotherme Reaktion auch als Wärmequelle wichtig. Allerdings kann nur spekuliert werden, wer erstmals selbst zündelte und wann dies geschah.

Freundlicherweise haben die Urheber:innen jedoch gelegentlich ihre »Feuerzeuge« an Ort und Stelle hinterlassen. So auch im heutigen Suffolk, wo ­britische Forscher:innen kürzlich an einer rund 400.000 Jahre alten Feuerstelle Stückchen von Pyrit entdeckten; ein Mineral, mit dem sich Funken aus Feuerstein schlagen lassen. Zudem ist das Material in der Gegend selten, es wurde also wohl gezielt dorthin gebracht, der Datierung nach vermutlich von frühen Neandertalern.

Die Fundstelle ist locker 350.000 Jahre älter als der bisher früheste bekannte Beleg für gezielt erzeugtes Feuer. Überraschend ist das dennoch nicht, denn es ist schwer vorstellbar, wie unsere Verwandten im eiszeitlichen Europa überlebt hätten, wenn sie einfach darauf gewartet hätten, dass gelegentlich mal der Blitz ­einen Baum in Brand setzt, um sich ein wenig Glut zu holen.

Damals war noch nicht zu ­erahnen, dass der menschliche Hang zum Herumkokeln einmal das Weltklima zum Kippen bringen würde, und es ließe sich spekulieren, ob das Festhalten an Kohle und Öl nicht nur Profitinteressen, sondern auch steinzeitlichen Instinkten geschuldet ist. Die gute Nachricht: Auch nach gefühlt ewiger Abhängigkeit kann man sich das Verbrennen von Zeug abgewöhnen – ob nun die Menschheit mit Hilfe erneuerbarer Energien oder die Autorin, die nach 35 Jahren Nikotinsucht seit mittlerweile mehr als vier Monaten rauchfrei ist.