22.01.2026
Auf der Karibikinsel wurde der Kriegszustand ausgerufen

Auf Kuba gehen die Lichter aus

Donald Trump ist sich sicher: Ohne venezolanische Öl- und Finanzhilfen wird die Republik Kuba bald fallen. Sein Außenminister Marco Rubio wird in Maga-Kreisen bereits als zukünftiger Präsident der Insel gehandelt.

Seit dem 3. Januar, dem Tag des völkerrechtswidrigen Angriffs auf Venezuela und der Entführung des Diktators Nicolás Maduro, befürchtet die kubanische Regierung eine militärische Intervention der USA. Zwischen Santiago de Cuba im Osten der Insel und Pinar del Río, ganz im Westen, wird diskutiert, wie es angesichts des Drucks der US-Regierung und des absehbaren Endes der Hilfe aus Venezuela weitergeht.

Am 17. Januar hat sich der »Rat der nationalen Verteidigung« – das Gremium, dem die wichtigsten Führungsfiguren des Inselstaats angehören – auf eine Reihe von Maßnahmen und Plänen verständigt, die Kuba in einen estado de guerra (Kriegszustand) überführen sollen. Doch welche Maßnahmen der Rat, dem mit dem 94jährigen Raúl Castro auch ein Anführer der Revolution angehört, beschlossen hat, und wie diese dazu führen sollen, dass die Insel nicht – wie von US-Präsident Donald Trump prognostiziert – in die Hände der USA fällt, wurde weder in der Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, Granma, noch auf dem regierungsnahen Internetportal Cubadebate bekanntgegeben.

Es werde »kein weiteres Öl oder Geld nach Kuba gehen«, schrieb Trump am 10. Januar auf Truth Social und riet der kubanischen Regierung zu einem »Deal«.

Trump scheint sich sicher, dass Kuba ohne die Hilfe aus Venezuela nicht bestehen kann. Er hält eine militärisches Eingreifen in Kuba nicht für nötig: »Sie bekommen ihre ganze Unterstützung von Venezuela. (…) Es sieht so aus, als würde es (Kuba; Anm. d. Red.) einfach fallen«, sagte Trump Anfang Januar und legte am 10. Januar noch einmal nach. Es werde »kein weiteres Öl oder Geld nach Kuba gehen«, schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social und riet der kubanischen Regierung zu einem »Deal«. Darauf reagierte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel schnell und gewohnt kämpferisch: Man werde die Insel »bis zum letzten Tropfen Blut« verteidigen.

Ob die kubanischen Streitkräfte nach – je nach Quelle fünf oder sieben – Jahren der Wirtschaftskrise zu einer effektiven Verteidigung im Fall einer Invasion oder einer Militäroperation wie in Caracas in der Lage wären, ist mehr als fraglich. Fakt ist: Die Inselökonomie ist auch 2025 geschrumpft – das Bruttoinlandsprodukt sank um 1,5 Prozent. Nur Haiti ist laut den Daten der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) in einer noch desolateren ökonomischen Verfassung als Kuba. Abwanderung, Verfall, aber auch die Zunahme von Kriminalität und das Auftauchen erster organisierter Banden prägen die Realität zwischen Santiago de Cuba und Havanna.

Das komplette Unterbinden venezolanischer Erdöllieferungen, wie es von den USA angedroht und mit ihrer Militärpräsenz vor der Küste Venezuelas durchgesetzt werden könnte, träfe die Insel hart. Einst lieferte Venezuela täglich rund 100.000 Barrel Öl im Austausch für die Dienste von bis zu 30.000 kubanischen Arbeitskräften, darunter Ärzt:innen, aber auch Lehrer:innen, Ingenieur:innen sowie Militärberater:in­nen und Sicherheitskräfte. Das ist jedoch lange her. In den vergangenen Jahren sei die Menge auf wenig mehr als 10.000 Barrel pro Tag gesunken, so der kubanische Ökonom und Analyst Omar Everleny Pérez. »Trotzdem ist dieses Öl wichtig für die kubanische Wirtschaft, wenn es fehlt, wird sich unsere Stromversorgung weiter verschlechtern«, meint er. Fehlendes Öl könnte die seit Jahren obligatorischen Stromabschaltungen von wenigen Stunden in Havanna und bis zu 21 Stunden in Cárdenas weiter verlängern. Der latente Strommangel lässt zudem die ökonomische Produktivität sinken.

Kuba ist hochverschuldet

Da Kuba international hochverschuldet ist, kann es sich Ölimporte auf dem freien Markt kaum leisten, skizziert Pérez die schwierige Situation. Zudem zeigten zuletzt selbst befreundete Staaten wie Mexiko, Russland, der Iran, China oder Vietnam wenig Lust, die marode Inselökonomie zu stützen. Die gilt selbst unter den sogenannten Bruderländern als Fass ohne Boden; jüngstes Beispiel sind die Defizite bei der Installation der aus China gelieferten Solarparks. Bis Ende 2025 wurden nur 32 der 51 geplanten Solarparks ans kubanische Netz angeschlossen. Das trägt zum latenten Defizit beim generierten Strom bei. Seit Monaten wird kaum mehr als die Hälfte der benötigten Energiemenge von 3.250 Megawatt generiert, so die Zahlen des nationalen Energieunternehmens Unión Eléctrica.

Angesichts des starken Drucks aus den USA und der prekären Perspektiven könnten befreundete Staaten aus Solidarität oder aus geostrategischen Überlegungen nun jedoch auch erneut helfen. »Hinzu kommt, dass Ärzte aus Kuba in Mexiko, aber auch in Brasilien im Einsatz sind. Beides sind befreundete Nationen, die den USA kritischer gegenüberstehen und zumindest punktuell helfen könnten«, meint Pérez. Er rät jedoch zu Reformen, um die schwindsüchtige Inselökonomie wieder in Gang zu bringen. Das sei alternativlos und ergebe angesichts des US-Drucks Sinn.

Es braucht mehr als eine Einigelungsstrategie

Trump und sein Außenminister Marco Rubio, ein Sohn kubanischer Emigranten, sehen Kuba nun jedenfalls als reif dafür an, endlich wieder in die US-amerikanische Einflusssphäre eingegliedert zu werden, ähnlich wie es 1823 James Monroe in seiner Monroe-Doktrin verkündete. Rubio, der als treibende Kraft hinter den jüngst weiter verschärften US-Sanktionen gegen Kuba gilt, wird von rechten Think Tanks und auf Truth Social bereits als kommender Präsident Kubas gehandelt. Trump hätte damit kein Problem. »Klingt gut für mich!« schrieb er auf der erzkonservativen Plattform.

In Havanna ist das ein Horrorszenario. Um das zu vermeiden, braucht es allerdings mehr als eine Einigelungsstrategie. Die kubanische Ökonomie müsste produktiver werden, dafür taugt das Festhalten an der zentralisierten Planwirtschaft nicht. Doch bisher hat der »Rat der nationalen Verteidigung« noch keine ökonomische Reformpläne vorgelegt.