22.01.2026
Nixon und Vietnam, Trump und Grönland

Homestory #04/2026

Richard Nixon griff als Verhandlungstaktik einst zur »Madmen«-Methode, bei Trump scheint sie der Dauerzustand zu sein.

Vielleicht macht man sich Illusionen über die Weltpolitik, wenn man glaubt, dass zwischenstaatlichen Konflikte früher mal ausgehandelt wurden, indem seriöse Staatsmänner, unterstützt von professionellen Beratern, auf die Silbe genau kalibrierte Nachrichten austauschten; und dass, selbst wenn ein Politiker mal eher irre auftrat, dahinter eine fein justierte Kommunikationsstrategie stand.

Das war angeblich bei Richard Nixon der Fall war, der – so erzählten es später zumindest seine Berater – bewusst versucht habe, den Eindruck zu erwecken, völlig unzurechnungsfähig und zu allem bereit zu sein, um bei den Verhandlungen mit Nguyen Van Thieu über ein Ende des Vietnam-Kriegs möglichst viel herauszuholen.

Damals gab es noch keine sozialen Medien, in denen der US-Präsident zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Gedanken in die Welt ­hinauszuposaunen konnte. Völlig unzurechnungsfähig zu wirken, ist heute deutlich leichter als in den siebziger Jahren, dem technologische Fortschritt sei Dank.

Trumps Reaktion, als ihn ein Reporter danach fragte, was er denn dazu sage, dass Macron nicht bei seinem »Board of Peace« mitmachen wolle: Der US-Präsident antwortete wie ein beleidigtes Kind, das hört, dass Emmanuel nicht zu seiner Geburtstagsparty kommen will.

Auch außenpolitische Verhandlungen liefen früher womöglich etwas langsamer ab, heute scheinen sie häufig per SMS erledigt zu werden. Den Eindruck gewinnt man zumindest, wenn Donald Trump mal wieder eine Textnachricht veröffentlicht, die ihm in diplomatischer Vertraulichkeit ein anderer Spitzenpolitiker geschickt hat.

In den vergangenen Tagen traf das den Nato-Generalsekretär Mark Rutte und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Analog zu der Nixon zugeschriebenen madman-Methode scheint Trump Außenpolitik nach der Methode eines mobbenden Teenagers betreiben zu wollen, der andere bloßstellt, indem er private Textnachrichten veröffentlicht.

Dazu passte auch Trumps Reaktion, als ihn ein Reporter danach fragte, was er denn dazu sage, dass Macron nicht bei seinem »Board of Peace« mitmachen wolle. Der US-Präsident antwortete wie ein beleidigtes Kind, das hört, dass Emmanuel nicht zu seiner Geburtstagsparty kommen will: Den wolle man sowieso nicht dabeihaben, »er ist bald eh nicht mehr Amt. Niemand braucht ihn. Aber wir können ihm Zölle von 200 Prozent auf seine Weine und seinen Champagner auferlegen.«