»Im Kern fragen wir uns, was ein Detail über die Stadt als großes Ganzes verrät«
Wie und mit welcher Grundidee ist Frankfurt Babylon entstanden?
Carlos Becker (CB): Eigentlich begann alles mit einer Sitzbank und dem gescheiterten Versuch, auf ihr abends ein Bier zu trinken. Diese Bank – sie steht übrigens immer noch im Europaviertel in Frankfurt am Main – ist ein paradigmatisches Beispiel dafür, dass in der Stadtpolitik gegenwärtig vieles falsch läuft. Grundsätzlich tritt so ein Stadtmöbel ja mit dem Versprechen auf, dass man sie nutzen kann. Bei dieser Bank ist das aber fast unmöglich, weil kein Weg zu ihr führt und weil sie direkt neben einer Tiefgaragenrampe mit Abluftgitter steht. Gleichzeitig ist sie so nah an einer privaten Terrasse platziert, dass man praktisch im Wohnzimmer der nächsten Wohnung sitzt.
Als dann wir, Benjamin Pfeifer und ich, trotzdem auf dieser Bank Platz genommen haben, waren die Reaktionen entsprechend: Rollläden gingen runter, Blicke richteten sich auf uns. Es war einfach total verwunderlich, dass sich überhaupt jemand dort niederlässt. Dieses Erlebnis und das Unwohlsein dort haben bei uns die Frage hinterlassen: Was macht denn diese Bank da überhaupt? Warum ist sie da? Welche Prozesse haben dazu geführt? Und warum ist der öffentliche Raum im Augenblick generell und besonders in Neubauvierteln so unwirtlich? Welche Planung steckt eigentlich dahinter und welche sozioökonomischen Faktoren? Daraus ist das Projekt entstanden, aus dieser Frage, was in der Stadtentwicklung zurzeit falsch läuft.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::