Jungle+ Artikel 22.01.2026
Der ungarische Ministerpräsident nutzt den Fußball für Politik und Vetternwirtschaft

Orbáns Fußballmanie

In Ungarn werden gigantische Summen in den Fußball investiert, die Resultate sind jedoch äußerst bescheiden. Ministerpräsident Orbán will Fußball als nationalistisches Spektakel nutzen, das zur Machtabsicherung und Bereicherung dienen soll.

Die Ungarn sind unendlich fußballbegeistert, obwohl sich die Nationalelf zum zehnten Mal in Folge nicht für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Zweifelsohne hat das Team in letzter Zeit auch einige bescheidene Erfolge erzielt, zum Beispiel als es sich für die vergangenen beiden Europameisterschaften qualifizierte. Rekordmeister Ferencváros ist außerdem immer wieder mal in der Gruppenphase der Uefa-Vereinswettbewerbe vertreten. Alle anderen ungarischen Vereinsmannschaften spielen in diesen Wettbewerben bestenfalls eine kleine Nebenrolle.

Ministerpräsident Viktor Orbán, der als Jugendlicher selbst ein recht guter Mittelstürmer war, ist ein begeisterter Fußballfan. Er und seine Gefolgsleute scheuen keine (Staats-)Kosten, um den ungarischen Fußball wiederzubeleben – und sich selbst zu bereichern.

Dazu wurde vor einigen Jahren ein neues System zur finanziellen Unterstützung des Sports eingeführt: Unternehmen können einen Teil ihrer Körperschaftsteuer an Sportvereine weiterleiten. So flossen Millionen Euro in die Infrastruktur, in Jugendakademien, in Gehälter – und auf diesem Weg in die Taschen einiger regierungsnaher Unternehmer statt in die Staatskasse. Denn ausschließlich Orbán-nahe Firmen erhielten Aufträge, Stadien und Fußballplätze zu bauen oder zu renovieren. Viele Clubinhaber zahlten die von ihnen gespendeten Steuergelder auf Umwegen also letztlich aufs eigene Konto.

Viktor Orbáns Herzensprojekt, die Gründung von Fußballakademien, war bislang nicht sonderlich erfolgreich. Obwohl mit Milliarden Forint bezuschusst, ist es nicht gelungen, damit eine starke Erste Liga aufzubauen, und es konnten kaum Weltklassespieler hervorgebracht werden.

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