Jungle+ Artikel 22.01.2026
Die Genossenschaften von Libera Terra betreiben auf ehemaligem Mafia-Land Biolandbau

So schmeckt die Freiheit in Sizilien

Die Genossenschaften von Libera Terra betreiben auf ehemaligem Mafia-Land Biolandbau und sind zu einer bekannten Marke herangereift.

»Ab und zu erhebt die Mafia ihr Haupt.« Francesco Citarda kann sich einen ironischen Kommentar nicht verkneifen. Im vergangenen Sommer hatte es Übergriffe auf die Genossenschaft Beppe Montana nahe Syrakus im Osten Siziliens gegeben. Dabei wurden Maschinen zerstört, auch ging Weizen auf einer Fläche von 20 Hektar kurz vor der Ernte in Flammen auf. Dass die Mafia hinter den Taten steckt, ist nicht bewiesen, aber wahrscheinlich. Der 43jährige Citarda, Präsident des Dachverbands Libera Terra Mediterraneo, befürchtet dennoch nicht, dass die Cosa Nostra eine echte Bedrohung für das Genossenschaftswesen wird. Es sei wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, sagt Citarda und fügt mit Blick auf eine Welle von Solidaritätsbekundungen, die bei den Genossen eingingen, hinzu: »Wir sind nicht allein.«

Angriffe auf einzelne Genossenschaften, die unter der Flagge Libera Terra dalla Mafia (mafiafreies Land) arbeiten, sind auch in der Vergangenheit immer wieder vorgekommen. Die Neugründung solcher Kooperativen und deren Konsolidierung hat das nicht angefochten. Derzeit gibt es neun Libera-Terra-Genossenschaften, die meisten davon auf Sizilien, aber auch in Apulien, Kalabrien und Kampanien. Sie bauen in Biolandbau Weizen und Wein an, Oliven und Zitrusfrüchte, Melonen, Tomaten, Linsen, Kichererbsen und anderes Gemüse – und das auf eben einem besonderen Land. Die Felder und Landgüter gehörten früher Angehörigen der Mafia, die der italienische Staat enteignet hat.

Das Land, auf dem das genossenschaftszugehörige Weingut Centopassi entstanden ist, gehörte früher der Familie des Mafia-Mordbrenners Totò Riina.

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