Jungle+ Artikel 29.01.2026
Die Philosophin Manon Garcia hat ein Buch über den Pelicot-Prozess geschrieben

Mit Männern leben müssen

Im September 2024 begann der Prozess gegen die Vergewaltiger der Französin Gisèle Pelicot. Im Saal saß auch die Philosophin Manon Garcia, die nun in ihrem Buch »Mit Männern leben« das Gerichtsverfahren Revue passieren lässt und daran anschließend Überlegungen über das »kulturelle Gerüst der Vergewaltigung« anstellt.

Ein Feuerwehrmann, ein Journalist, ein Familienvater: Immer wieder wurde Entsetzen über die Durchschnittlichkeit der Männer geäußert, die im Herbst 2024 in Avignon für die Vergewaltigung von Gisèle Pelicot auf der Anklagebank saßen. In ihrem Essay »Mit Männern leben« widmet sich nun die Philosophin Manon Garcia dem Prozess, den sie als Beobach­terin begleitete, und stellt eine gleichermaßen banale wie monströse Leitfrage: Können wir mit Männern leben? Und: um welchen Preis?

Dem Verhältnis zwischen dem Bösen und dem Normalen wird sich Garcia im Laufe des Texts mehrmals nähern, in einem frühen Kapitel in Bezug auf Hannah Arendts Beobachtungen im Eichmann-Prozess, später in einer Auseinandersetzung mit dem Begriff des Normalen. Eine fast beiläufige Konfrontation mit dem Mons­trösen findet jedoch schon auf den ersten Seiten statt: Dort beschreibt Garcia den Morgen des ersten Verhandlungstags im Prozess gegen den Hauptangeklagten Dominique Pelicot, der seine Frau über elf Jahre hinweg immer wieder betäubt und dann von den mitangeklagten 50 Männern vergewaltigen ­ließ; da kam es zu Garcias ersten Begegnungen mit Unterstützerinnen, Demonstrantinnen, Journalistinnen am Gerichtsgebäude.

»Mit Männern leben« konfrontiert seine Leserinnen mit der Tatsache, dass es noch so viel daran zu begreifen gibt, warum Männlichkeit gefährlich und Misstrauen gerechtfertigt ist – dass das Begreifen allein aber nichts ändert.

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