Glanz und Elend des sexuellen Zeitalters
Zum Abschluss seines Buchs »Sexualitäten. Eine kritische Theorie in 99 Fragmenten« stellte der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch 2013 die Frage nach dem möglichen Ende des »sexuellen Zeitalters«. Grob ist damit die Zeit gemeint, die in Europa an den Viktorianismus und die Industrialisierung anschließt und das gesamte 20. Jahrhundert unter dem Stichwort der sexuellen Liberalisierung umfasst.
Sigusch zufolge, der 1972 das Institut für Sexualwissenschaft am Uniklinikum in Frankfurt am Main gründete und bis zu dessen Schließung 2006 dort Direktor war, entstand in diesem Zeitraum erst »Sexualität als eine kulturell allgemein durchgesetzte, isolierte und dramatisierte Form«.
Ohne Zweifel ist es der Gesellschaft für Sexualforschung im Laufe ihres Bestehens gelungen, auf die großen gesellschaftlichen Fragen in Sachen Sexualität Einfluss zu nehmen.
Der forensische Psychiater Johannes Fuß und der Medizin- und Zeithistoriker Richard Kühl nehmen das 75jährige Bestehen der in Hamburg ansässigen Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS), der Sigusch ebenfalls vorstand, zum Anlass, deren Geschichte zu erzählen und die Rolle der Sexualwissenschaft zu untersuchen.
Der kürzlich erschienene Band »Sexualwissenschaft am Ende des sexuellen Zeitalters« besteht aus fünf Teilen, in denen in 44 historischen und aktuellen Beiträgen auf über 1.000 Seiten die Nachkriegszeit und NS-Nachgeschichte, die Institutionalisierung der Sexualwissenschaft und der Generationenwechsel in den sechziger und siebziger Jahren, die Kritische Sexualwissenschaft ab den achtziger Jahren und das bereits im Titel des Bandes angesprochene »Ende des sexuellen Zeitalters« diskutiert werden.
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