Jungle+ Artikel 05.02.2026
Aleksandr Tscherkasow, Menschenrechtler, im Gespräch über den tschetschenischen Autokraten Ramsan Kadyrow

»Es handelt sich um ein totalitäres Regime«

Der diktatorisch regierende kremltreue Präsident der russischen Teil­republik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, ist gesundheitlich stark angeschlagen. Die »Jungle World« sprach mit Aleksandr Tscherkasow von der Menschenrechtsorganisation Memorial über das von Kadyrow aufgebaute nepotistische Machtsystem und Spekulationen über seine Nachfolge.

Kürzlich kamen zum wiederholten Mal Gerüchte auf, dass der tschetschenische Autokrat Ramsan Kadyrow mit ernsthaften gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe. Angeblich musste er im Dezember wiederbelebt werden, sein Gesundheitszustand sei kritisch. Kadyrow gibt sich alle Mühe, das Gegenteil zu demonstrieren. Was ist von diesen Gerüchten zu halten?
Bei Licht betrachtet kann man sagen, ja, Kadyrow ist offensichtlich nicht gesund. Seine Gesichtszüge lassen vermuten, dass er Nierenprobleme hat. Wir wissen, dass er medizinisch intensiv betreut wird. Als hochrangiger Staatsvertreter hat er Zugang zu Diagnose- und Behandlungsmethoden auf allerhöchstem Niveau. Er kann es sich leisten, Ärzte einfliegen zu lassen oder sich im Notfall dorthin transportieren lassen, wo er noch besser versorgt wird. Vor dem Zentralklinikum in Moskau waren Autos mit bekannten tschetschenischen Kennzeichen des Kadyrow-Clans zu sehen, gelegentlich auch Krankenwagen vor Kadyrows Hauptwohnsitz. Alles weitere sind nur Gerüchte, denn Informationen über das Leben des – nach Wladimir Putin – zweiten »ersten Mannes« im Staat sind streng geheim.

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