Jungle+ Artikel 05.02.2026
Wie Berliner Modeateliers der »Arisierung« zum Opfer fielen

Modestadt Berlin: Der Bruch

»Berlin ist Mode«, so hieß es 1927. Joe Strassner war ein Star der Modewelt, Lilian Harvey seine Lieblingskundin. Ku’damm und Tiergartenviertel lockten Modebegeisterte. In ihrem Buch »Modestadt Berlin« erzählt Gesa Kessemeier von den Anfängen der Konfektion im 19. Jahrhundert über die goldene Dekade der »Berliner Haute Couture« in den 1920er Jahren bis zur brutalen Zerstörung dieser glanzvollen Welt nach 1933, Ein Auszug aus dem im Verlag Hentrich und Hentrich erschienenen Buch.

Neben aller Kreativität und Originalität deuteten sich in der Berliner Konfektion früh Krisenzeiten an: Nur ausgewählte Modesalons und Konfektionshäuser überlebten die für die Modebranche immer wieder schwierigen Zeiten von Inflation und Weltwirtschaftskrise unbeschadet. Die vermeintlich »goldenen Jahre« nach dem Ende der Inflation gestalteten sich für die Textilindus­trie schon seit 1926 schwierig. Von offizieller Seite wurde darauf hingewiesen, dass sich die Branche wegen der »geringen Aussichten hinsichtlich des Exports und der Verengung der Absatzmöglichkeiten im Inland« in einer Krise befinde.

Bestehen konnten vor allem modellschaffende Häuser, die eigene Kreationen boten und mit der Filmwelt oder der Kunstseidenindustrie kooperierten. Andere, auch namhafte Konfektions- und Modellhäuser gerieten in finanzielle Schieflagen und mussten schließen oder sich verkleinern.

Dies traf auch Traditionsunternehmen wie V. Manheimer, M. Gerstel oder Gerson-Prager Hausdorff. Aufsehen erregte vor allem der Fall Manheimer: Das Geschäft in der Oberwallstraße nahe dem Werderschen Markt schloss für die Öffentlichkeit völlig unerwartet im Dezember 1927 – intern hatte es schon ­lange finanzielle Probleme gegeben. Ebenso ruhte die Modellproduktion des Modehauses Gerson-Prager Hausdorff 1927. Nach einem Neubeginn, dem Zusammenschluss mit Flatow-Schädler und der Fokussierung auf französische Modelle stand die ehemals so berühmte Firma im Dezember 1929 – wenige ­Wochen nach dem weltweiten Börsencrash – vor einem finanziellen Desaster. Auch Glaser & Goetz schlossen ein Jahr später, im Dezember 1930. Der Salon de Bayer musste seine kunstvoll gestalteten Räume in der Bendlerstraße auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise 1931 verlassen und bestand nur noch als kleines Atelier.

Von »Arisierungen«, also dem erzwungenen Verkauf von Unternehmen nach 1933, profitierten vor allem junge, männliche Modekaufleute.

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