Jungle+ Artikel 05.02.2026
Rechtsextreme Parteien verleiben sich unabhängige Jugendgruppen ein

Nachwuchs mit Schlagkraft

Neue und selbstorganisierte Gruppen dominierten in den vergangenen zwei Jahren den Nachwuchs der extremen Rechten. Mittlerweile ist eine Übernahme durch etablierte rechtsextreme Parteien zu beobachten.

Bei der extremen Rechten laufen bereits die ersten Vorbereitungen für das Berliner Wahljahr: Der Berliner Morgenpost zufolge bekommt »Die Heimat« (früher NPD) beim Wahlkampf Unterstützung von Mitgliedern der Gruppe »Deutschen Jugend voran« (DJV). Bei dieser handelt es sich um eine von vielen selbstorganisierten rechtsextremen Nachwuchsgruppen, die in den vergangenen zwei Jahren entstanden sind. Auffällig ist ihre ausgeprägte Gewaltaffinität und ihre Aktionsorientierung. Am 27. Juli 2024 wollte eine Gruppe mutmaßlich den Berliner Christopher Street Day (CSD) angreifen. Die Polizei kam ihr zuvor und nahm dabei 28 Personen in Gewahrsam, darunter 14 Minderjährige und eben auch Mitglieder der DJV.

Das schnelle Wachstum unabhängiger Jugendgruppen drohte, die bereits etablierten parteigebundenen in der Irrelevanz abgleiten zu lassen. Rechtsextreme Parteien übernahmen daher gezielt Protestthemen, mit denen die Jugendgruppen agitiert hatten, und begannen, deren Mitglieder in ihre Strukturen einzubinden. Demonstrationen gegen den CSD wurden immer öfter ­direkt von den »Jungen Nationalisten«, der Jugend­organisation von »Die Heimat«, oder von der neonazistischen Kleinpartei »Der III. Weg« organisiert.

»Jugendliche treten wieder den Jungen Nationalisten bei und verschaffen dem Parteinachwuchs deutlich mehr Geltung.« Lotta Kampmann, Recherche Nord

Den selbstorganisierten Jugendgruppen fehlte es häufig an Ressourcen und Räumlichkeiten. Daher habe »Die ­Heimat« nicht nur Lautsprecherwagen und Infrastruktur für gemeinsame Demonstrationen bereitgestellt, sondern auch Parteibüros als Treffpunkte, beschreibt Lotta Kampmann von der Dokumentationsplattform Recherche Nord den Vorgang im Gespräch mit der Jungle World.

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