05.02.2026
Die Pussy-Riot-Aktivistin Nadja Tolokonnikowa unterstützt die Ukraine

In Russland gefürchtet, im Exil gehört

Aktionskünstlerin im Parlament: Nadja Tolokonnikowa von Pussy Riot berät neuerdings Politiker:in­nen der EU.

Aus Sicht ultrakonservativer russischer Behörden verkörpert Nadja Tolokonnikowa fast jede nur denkbare negative Eigenschaft: Sie ist Feministin, hat nichts für die orthodoxe Kirche übrig und für den russischen Präsidenten Wladimir Putin noch viel weniger. Noch dazu unterstützt sie die Ukraine.

In Europa findet ihre Haltung hingegen Anerkennung. Vergangene Woche wurde sie vom Präsidium der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in eine neugeschaffene Plattform für den Dialog mit russischen demokratischen Kräften berufen. Tolokonnikowa ist damit eine von 15 russischen Oppositionellen im Exil, die Politiker:in­nen der EU beraten.

Eigentlich sei eine Aktionskünstlerin in einem Parlament etwas Lächerliches, schrieb Nadja Tolokonnikowa auf ihrem Instagram-Profil. Aber es gebe Augenblicke, da müsse einfach gesagt werden, was andere nicht sagen. Ihr gehe es darum, dass gegen Putin eingestellte Russ:innen sich nicht vor dem Wort »Feminismus« fürchten, wie es der russische Staat tue.

Inzwischen gilt Pussy Riot in Russland als extremistische Vereinigung, Tolokonnikowa, die in den USA lebt, wurde wegen eines weiteren Strafverfahrens zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Während ihrer Antrittsrede bei der ersten Sitzung am 29. Januar plädierte sie außerdem für das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung. »Imperien werden nicht reformiert, sie werden aufgelöst«, lautete eine ihrer Thesen. Als ehemalige politische Gefangene will sie sich dafür einsetzen, dass diese Gruppe bei allen Gesprächen über Russland immer berücksichtigt werde.

Als Mitglied der russischen Punk- und Künstlerinnengruppe Pussy Riot war sie 2012 nach einem Punk-Gebet in einer Moskauer Kathedrale verhaftet worden. Per Amnestie kamen sie und die ebenfalls zu einer Haftstrafe von zwei Jahren verurteilte Marija Aljochina Ende 2013 frei. Inzwischen gilt Pussy Riot in Russland als extremistische Vereinigung, Tolokonnikowa, die in den USA lebt, wurde wegen eines weiteren Strafverfahrens zur internationalen Fahndung ausgeschrieben.

Künstlerisch verarbeitet sie ihre Zeit in einer russischen Strafkolonie. Eine ihrer Arbeiten enthält 30 Gramm der »Asche Putins«, auf einem im Januar im Rahmen der Kunstmesse House of Galleries in Frankfurt gezeigten Bild steht »I didn’t survive to be polite«.