Jungle+ Artikel 05.02.2026
Die Türkei bekämpft die kurdische Selbstverwaltung in Syrien und befürchtet sie im Iran

Erdoğan stützt die Mullahs

Die Türkei will verhindern, dass in Nachbarländern autonom regierte kurdische Gebiete entstehen, und unterstützt deshalb das Vorgehen der syrischen Regierung gegen Rojava. Auch einen US-Angriff auf die Islamische Republik Iran will die türkische Regierung deshalb möglichst verhindern.

Krieg in Nachbarländern zu führen, lehnt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan an sich nicht ab, schließlich hat er in den vergangenen Jahren immer wieder selbst die Armee gegen Kurd:innen im Irak und in Syrien eingesetzt; zwischen 2016 und 2019 besetzte die Türkei dort in gleich vier Feldzügen Gebiete. Doch wenn es um die Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit einem Militärschlag gegen die Islamische Republik Iran geht, befindet sich Erdoğan in der Rolle des Mahners, der von militärischer Gewalt dringend abrät, und versucht, eine Vermittlerrolle einzunehmen: Er telefonierte mit Trump und dem iranischen Präsidenten Massoud Pezeshkian und schlug sogar eine Videokonferenz zu dritt vor.

Sollte es tatsächlich zu einem US-Angriff auf den Iran kommen, kann die Türkei nur verlieren. Trotz mancher Interessengegensätze insbesondere in Syrien und im Kaukasus, wo die Türkei an der Seite Aserbaidschans steht, zu dem die iranischen Mullahs traditionell ein angespanntes Verhältnis haben, haben die Türkei und der Iran ihre regionale Politik in den vergangenen Jahren zusammen mit Russland immer wieder aufeinander abgestimmt. Mit dem Zusammenbruch des vom Iran unterstützten Assad-Regimes in Syrien und der Rückeroberung von Bergkarabach durch Aserbaidschan haben zwei wichtige Interessenkonflikte zwischen beiden Ländern zudem an Brisanz verloren.

Eine Sorge der türkischen Regierung, über die sie öffentlich nicht spricht, die sie aber sicher plagt, dürfte ein kurdische Aufstand im Iran sein.

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