Es darf getanzt werden
Einer der zauberhaftesten Filme auf der diesjährigen Berlinale läuft in der Sektion Panorama: »Vier minus drei« von Adrian Goiginger. Wie gewohnt inszeniert der österreichische Regisseur mit viel Feingefühl die wahre Geschichte von Barbara und Heli. Die professionellen Clowns, die mit ihren beiden Kindern auf dem Land leben, werden mitreißend von Valerie Pachner und Robert Stadlober verkörpert.
Die Haltung der beiden, wonach das Scheitern und das Lachen darüber zum Leben gehören, hat sich tief in ihre Persönlichkeiten eingeschrieben. Doch ein furchtbarer Schicksalsschlag stellt in diesem nonlinear erzählten Drama Barbaras Lebensphilosophie radikal in Frage. Eine Feier des Lebens in einer oft auch unerträglich leidvollen Welt. Zur Einstimmung gern »Old Dan Tucker« von Jimmy Kelly hören …
Siri Hustvedt und Paul Auster
Der Humor und das Vergnügen beim Tanz um das Selbst sowie Liebe und Abschied sind auch Themen der inspirierenden Dokumentation »Siri Hustvedt – Dance Around the Self« von Sabine Lidl. Die Regisseurin, die 2018 Hustvedts Ehemann, den verstorbenen Paul Auster, porträtierte, begleitete die Schriftstellerin über vier Jahre.
Hustvedt, die in unterschiedlichen Disziplinen zu Hause ist und sich mit Neurowissenschaft, Psychoanalyse, Bildender Kunst und Philosophie auseinandergesetzt hat, erzählt von ihrer Kindheit als braves Mädchen in Minnesota, von ihrem Ankommen in New York City und ihrer Begegnung mit Auster.
Während Hustvedt über Hysterie, Femizide und über die Künstlerin Louise Bourgeois nachsinnt, erhält ihr »Lebensmensch« seine Krebsdiagnose. Nach dem Tod Paul Austers erzählt Hustvedt über die Arbeit an ihrem im März erscheinenden Buch »Ghost Stories«, in dem sie versucht hat, das »Wir«, das sie und ihr Ehemann waren, festzuhalten.
Mit seinem Quartett Philm, das 2021 mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, veröffentlicht der Saxophonist Philipp Gropper nach langer Funkstille dieser Tage gleich zwei Alben.
Berlin ist nicht nur eine Filmstadt, sondern auch eine Jazzstadt. Der Saxophonist Philipp Gropper ist eine wichtige Figur der Szene. Mit seinem Quartett Philm, das 2021 mit dem Deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, veröffentlicht er nach langer Funkstille dieser Tage gleich zwei Alben mit den Titeln »2024« und »2025«.
Beide Platten sind voller Broken Beats, musikalisch enorm dicht und voller Überraschungen: Mal werden jamaikanische Riddims dekonstruiert, mal landen Philm in krautigen Einbahnstraßen, mal spürt man das Echo von Steve Colemans M-Base-Jazzfunk aus den Neunzigern.
Auf Groppers Wunsch hin sind die Aufnahmen nicht auf Streaming-Portalen zu finden. Der Kauf der Alben lohnt sich unbedingt.