»Unsere Jungens waren hungrig nach Wettspielen«
»Die jüdischen Fußballspieler New Yorks haben an Washington’s Birthday eine Schlacht verloren«, schrieb einer der bekanntesten Sportjournalisten der Weimarer Republik, Max Behrens, im März 1942 in der Emigrantenzeitung Aufbau. »Eine große Chance, für den jüdischen Fußball eine so bitter nötige Propagandaschlacht zu gewinnen, ist leichtsinnig verschenkt worden«, klagte der ins US-amerikanische Exil vertriebene ehemalige Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung. Was war geschehen?
Im Turnier um den Internationalen Pokal der New York State Football Association, an dem Auswahlteams verschiedener landsmannschaftlicher Vereine teilnahmen, trafen im Frühjahr 1942 eine jüdische Elf und ein Team des Deutsch-Amerikanischen Fußballbundes aufeinander. Einige Monate vor dieser Partie hatte der Aufbau als eine der ersten US-amerikanischen Zeitungen über die sich abzeichnende »Endlösung der Judenfrage« berichtet.
Viele jüdische Teams
Durch diese katastrophalen Nachrichten bekam das Fußballspiel einen besonderen Zündstoff. Doch die jüdischen Kicker waren sich diese Brisanz offensichtlich nicht bewusst und verloren deutlich mit 1:3 Toren. Im Gegensatz zu den Deutschen, die »wussten, um was es ging!«, wie Behrens kritisch anmerkte.
Obwohl der Fußball in den Vereinigten Staaten nie die Bedeutung wie in Europa erreichte, spielte er insbesondere unter den europäischen Zuwanderern eine große Rolle. Die verschiedenen Ligen in den Immigrantenstädten New York, Chicago oder Los Angeles wurden regelmäßig von den Mannschaften der italienischen, irischen oder deutschen Neubürger dominiert.
Darunter befanden sich auch viele jüdische Teams, wie etwa die Elf des New World Club (NWC). Dahinter verbarg sich die Fußballabteilung des von deutschen Juden zunächst unter dem Namen German-Jewish Club gegründeten Vereins, dessen Zeitung Aufbau sich zu einem viel gelesenen Blatt in der jüdischen Emigrantenszene entwickelte.
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