Homestory #07/2026
Manchmal steht einem als Redakteurin oder Redakteur der Mund offen – nicht nur wegen der allgemeinen Weltlage, sondern auch schon mal, wenn man einen verabredeten Text zugesendet bekommt.
Kürzlich passierte das einem Kollegen. Er öffnete den Artikel eines freien Autors, und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Alles ging hier kreuz und quer, Satzzeichen fehlten, Argumente doppelten sich, Formulierungen waren schief … Schnell war klar: Irgendwas stimmte hier nicht. Und dem war auch tatsächlich so: Die zugesendete Datei war natürlich nur eine Mischung aus erstem Entwurf und digitalem Schmierzettel, die der Autor aus Versehen statt des fertigen Texts geschickt hatte – nach kurzem Aufatmen fiel dem Redakteur auf, das er so einen Einblick in die Arbeitsweise der Autoren so gut wie nie hat.
Ja, wie geht das also? Erst mal die Kolleginnen und Kollegen fragen, wie sie das eigentlich machen, einen Text zu schreiben. Wir sind die Jungle World – und das ist unsere Master Class: Wie schreibt man einen Zeitungsartikel? Exklusiv (und ohne Zusatzkosten!) führen wir Sie, liebe Leserinnen und lieber Leser, in die Welt der rasenden Reporter ein, zeigen Ihnen, wie man sich durch den Wust an Fakten gräbt, und nehmen Sie mit in die Welt des schweißtreibenden Tippens.
Alles ging hier kreuz und quer, Satzzeichen fehlten, Argumente doppelten sich, Formulierungen waren schief … Schnell war klar: Irgendwas stimmte hier nicht.
Alles beginnt mit Notizen, doch wie sie festgehalten werden, das ist unterschiedlich: Die einen notieren sie gern handschriftlich auf Zettel oder Kladden (um diese dann im Zweifel zu verlieren oder nicht mehr entziffern zu können), die anderen bevorzugen digitale Aufzeichnungen, entweder in einer entsprechenden App, gleich ins Dokument oder auch als Kurznachricht an eine Freundin – die aber irgendwann genervt das Zusenden untersagte. Ein anderer Kollege ist da schon pfiffiger und schickt sich seine spontanen Gedanken im Messenger eines nicht mehr ganz so stark frequentierten sozialen Mediums einfach selbst – und ist damit wohl der Einzige, der diese Nachrichtenfunktion überhaupt noch benutzt.
Nun geht es an die Reinschrift: Manche versuchen, gleich druckreif zu schreiben, wieder andere schreiben ohne Plan drauflos – und wünschen sich eigentlich mehr Systematik. Eine Kolumnistin verrät ihr Geheimnis für zündende Ideen: sich einfach das, was man bereits geschrieben hat, laut und »in Bühnensprech« vorlesen, dann kommen die nächsten Einfälle wie von selbst.
Entsprechende Audiomitschnitte dieser Rezitationen würden sich gut in einem Jungle World-Podcast machen, doch der ist ja nicht mal in Planung; die Master Class, wie sie all ihre Gedanken nicht zu Papier, sondern in den Äther bringt, lässt also noch auf sich warten.