Jungle+ Artikel 12.02.2026
Maziar Bahari, iranischer Journalist, im Gespräch über die Probleme der iranischen Opposition

»Die Opposition ist zersplittert«

Der Journalist Maziar Bahari war einst selbst Gefangener des iranischen Regimes und betreibt aus dem Exil das Online-Medium »Iranwire«. Die »Jungle World« sprach mit ihm über die verzweifelte Lage im Iran, Probleme der Opposition und mögliche Risse im Regime.

Wie ist die Stimmung im Iran nach den Massakern vom 7. und 8. Januar?
Die Menschen stehen unter Schock. In der Vergangenheit haben sie Mord, Folter, Verhaftungen und so weiter erlebt, aber diesmal überstieg das Ausmaß der Brutalität jede Erwartung, jede Vorstellungskraft.
Gleichzeitig war diese Repression nicht spontan. Die Regimekräfte gingen koordiniert in verschiedenen Teilen des Landes vor, selbst in kleinen Städten und Dörfern. Das zeigt, dass die Entscheidung von oben kam. Jemand hat Polizei, Ordnungskräfte, die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), und die Basij-Milizen, die Teil der Revolutionsgarden sind, angewiesen zu schießen, um zu töten.
Von vielen, die zu den Protesten gegangen sind, wissen ihre Angehörigen bis heute nicht, was mit ihnen geschehen ist. Vielleicht sind sie tot, vielleicht werden sie irgendwo festgehalten.

Ihre Nachrichten-Website ist voller Berichte über solche schrecklichen Ereignisse. Wie kommen Sie an diese Informationen?
Seit 2013, als es mit Iranwire losging, haben wir mehr als 6.000 Bürgerjournalistinnen und -journalisten im Iran ausgebildet, dazu kommt unser Team in der Diaspora. Wir haben etwa zehn professionelle Journalistinnen und Journalisten, die in verschiedenen Ländern für uns arbeiten – Kanada, USA, Frankreich, Türkei und so weiter. Die haben ebenfalls Kontakte im Iran.

»Das Regime hat eine Oberschicht geschaffen, die mit gewöhnlichen Menschen auf der Straße keinerlei Verbindung mehr hat. Bewaffnete Einheiten schützen die Interessen der Mächtigen.«

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