19.02.2026
Der nicaraguanische Staat streicht Sofía Montenegro die Pension

Oppositionelle Sandinistin ohne Rente

Revolution, Protest, Flucht, Ausbürgerung – was Sofía Montenegro erlebt hat, reicht eigentlich für mehr als ein Leben. Nun hat Nicaragua der einstigen Revolutionärin die Rente gestrichen.

Sofía Montenegro lebt wie viele andere aus Nicaragua Geflüchtete im Nachbarland Costa Rica. Sie protestiert dagegen, dass Nicaragua ihr die Rente gestrichen hat, um sie als Exilierte zu drangsalieren.

»Es ist ein verheerender Schlag, weil man das Gefühl verliert, sein Leben im Griff zu haben, und plötzlich wieder ganz am Anfang steht (…) Und mit 72 Jahren gibt es für mich keine Möglichkeit, einfach von vorne anzufangen«, zitiert die spanische Tageszeitung El País die Feministin, die 2023 als »Vaterlandsverräterin« ausgebürgert wurde – wie 450 weitere, von denen viele an der sandinistischen Revolution 1979 teilgenommen hatten.

Nach der Abwahl der Sandinist:innen 1990 gehörte Sofía Montenegro zur kritischen Strömung, die aus dem FSLN herausgedrängt wurde und 1995 den MRS gründete, die Bewegung der sandinistischen Erneuerung.

Montenegro trat 1978 im Untergrund dem FSLN bei, der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront. Im Juli 1979 brach das in Nicaragua herrschende Somoza-Regime unter einem Bevölkerungsaufstand und großen Erfolgen der sandinistischen Guerilla zusammen. Sofía Montenegro wurde leitende Redakteurin der Tageszeitung des FSLN, Barricada.

Aufgrund ihrer kritischen Haltung wurde sie entlassen, aber 1984 ­erneut eingestellt und international bekannt als Repräsentantin des neuen Nicaragua. Nach der Abwahl der Sandinist:innen 1990 gehörte sie zur kritischen Strömung, die aus dem FSLN herausgedrängt wurde und 1995 den MRS gründete, die Bewegung der sandinistischen Erneuerung.

Protest und Flucht

Nachdem Daniel Ortega 2007 als Präsident wiedergewählt worden war, mit einem autoritär auf ihn ausgerichteten FSLN als Basis, ging er alsbald gegen Kritiker vor. Sofía Montenegro protestierte als Sprecherin des autonomen Cinco, des Forschungszentrums für Kommunikation. Als Vorsitzende der MAM, der Autonomen Frauenbewegung, organisierte sie Aktionen gegen frauenfeindliche Gesetze, die der rechtsgewendete Ortega im Bündnis mit katholischen Bischöfen durchsetzte.

Als das antiimperialistisch-autokratische Regime unter Ortega und seiner Frau Rosario Murillo 2018 soziale Proteste brutal niederschlagen ließ, protestierte Montenegro unbeirrt auch dagegen. 2023 flüchtete sie nach Costa Rica und kritisiert dort weiter das Regime, das so gar nichts mehr mit der sandinistischen ­demokratischen Revolution gemein hat.