19.02.2026
US-Außenminister Marco Rubio unterstützt Viktor Orbán im Wahlkampf

Die Wunder erahnen

In München bei der Sicherheitskonferenz bekam er stehende Ovationen, danach mischte er sich noch schnell in den ungarischen Wahlkampf ein: US-Außenminister Marco Rubio ist zwar im Ton vergleichsweise gemäßigt, aber dennoch ein willfähriger Helfer seines rechtsradikalen Chefs.

Marco Rubio gilt manchen noch als Stimme der Vernunft in der US-Regierung. Tatsächlich ist die Rhetorik des US-Außenministers vergleichsweise gemäßigt und er zeigt sogar hin und wieder so etwas wie Sachkenntnis.

So waren viele europäische Politiker:in­nen erleichtert, dass dieses Jahr Rubio und nicht Vizepräsident J. D. Vance zur Münchner Sicherheitskonferenz anreiste; es gab sogar stehende Ovationen nach seiner Rede. Doch sollten die beiden Auftritte eher als die ersten Folgen einer Serie betrachtet werden, an deren Abschluss Präsident – oder dann vielleicht Augustus oder Kaiser – Donald Trump vor einer malerischen Kulisse des alten Europa, vielleicht dem Kolosseum in Rom, die Vollendung eines christlichen Imperiums unter seiner Führung verkündet.

Gegen Massenmigration und »Klimakult«

Vance hatte im vorigen Jahr vor allem schrankenlose Freiheit für die extreme Rechte und deren politische Integration gefordert. Direkt in einen europäischen Wahlkampf einzugreifen, blieb damals aber noch Elon Musk überlassen, der am Sonntag der Bundestagswahl auf X »AfD!« postete.

Rubio gab sich gegenüber Europa scheinbar versöhnlich: »Wir wollen keine Trennung, sondern eine alte Freundschaft wiederbeleben und die größte Zivilisation der Menschheitsgeschichte erneuern.«

Er hat allerdings sehr klare Vorstellungen davon, um was für eine Zivilisation es sich nicht handeln soll: Massenmigration und »Klimakult« haben keinen Platz. Erforderlich sei vielmehr eine Rückbesinnung auf die christlich-imperialen Werte der Epoche der europäischen Expansion. Gelinge dies, könne man »die Wunder erahnen, die uns in unserer Zukunft erwarten. Aber nur wenn wir zu unserem Erbe stehen und stolz auf dieses gemeinsame Erbe sind, können wir gemeinsam damit beginnen, unsere wirtschaftliche und politische Zukunft zu gestalten.«

Rubio fordert nicht mehr nur die Integration der Rechtsextremen, sondern ein rechtsextremes Europa.

Vielleicht möchte man diese »Wunder« gar nicht kennenlernen, aber die Botschaft war trotz des konzilianten Tons klar. Rubio fordert nicht mehr nur die Integration der Rechtsextremen, sondern ein rechtsextremes Europa.

Und schritt sofort zur Tat, um einen Beitrag dazu zu leisten. Von München reiste er nach Budapest, um Wahlkampfhilfe für Viktor Orbán zu leisten, dessen Herrschaft bei den Wahlen im April bedroht ist.

»Ich kann Ihnen mit Zuversicht sagen, dass Präsident Trump sich sehr für Ihren Erfolg engagiert«, sagte Rubio bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Orbán. »Wir wollen, dass es diesem Land gutgeht. Das liegt in un­serem nationalen Interesse, insbesondere solange Sie Ministerpräsident und Anführer dieses Landes sind.« Die Frage ist nur noch, ob Trumps Engagement auch ein Milliardengeschenk umfasst, wie es der argentinische Präsident Javier Milei im vorigen Jahr erhielt.