Zurück an die Front
Ende Januar kam die Antwort, auf die er zwar lange gewartet hatte, die ihn dann aber doch hart traf: Mit einer standardisierten Antwort lehnte vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Asylantrag des russischen Deserteurs Georgij Awaliani ab. Ihm, seiner Frau und den beiden Kindern, so berichteten Die Welt und das russische Exilmedium Mediazona, drohe die Abschiebung direkt nach Russland, sollten sie Deutschland nicht eigenständig verlassen. Awaliani will nun rechtlich dagegen vorgehen.
Der 47jährige Ingenieur war in Russland zwangsrekrutiert worden und zweimal vom Einsatz in den besetzten Gebieten der Ukraine desertiert. Beim ersten Mal verließ er seine Stellung an der Front in der Ostukraine aus Gewissensgründen, weshalb er gefoltert und anschließend zwangsweise in eine Sturmbrigade beordert wurde. Dort wurde er bei der Explosion eines Munitionslagers verletzt, woraufhin er einen erneuten Fluchtversuch unternahm, der ihn über viele Umwege in Russland selbst, anschließend über Belarus, Usbekistan, Georgien und den Balkan nach Deutschland führte, wo er einen Asylantrag stellte. In Russland steht er auf einer Fahndungsliste wegen Fahnenflucht. Dafür drohen ihm bis zu 15 Jahren Haft. Seine Aussagen kann Awaliani durch Einberufungsbescheide, medizinische Unterlagen und Gerichtsakten belegen.
In Deutschland werden die meisten Asylanträge von russischen Deserteuren und Wehrdienstverweigerern abgelehnt.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::