Betont unangepasst
Als die Aids-Epidemie ab Mitte der achtziger Jahre auf ihren Höhepunkt in der Bundesrepublik zusteuerte, schienen die Aufbruch verheißenden Jahre der westdeutschen Schwulenbewegung unwiderruflich zu Ende zu gehen. Der Kampf für gesellschaftliche Gleichberechtigung, öffentliche Sichtbarkeit und ein freies Leben wurde zurückgeworfen auf den Kampf ums Überleben.
Politiker der CSU forderten offen, Kranke abzusondern und in speziellen Heimen zu konzentrieren, der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) sprach in Bezug auf Homosexualität gar von »Entartung«, die es »auszudünnen« gelte. Sein Parteikollege Peter Gauweiler, damals Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, empfahl 1987, zur Bekämpfung von Aids schwule Infrastrukturen zu zerschlagen. Auch wenn sich die CSU nicht durchsetzen konnten, drückte sie ein in der Mehrheitsgesellschaft weitverbreitetes Gefühl aus. Vielen Bürgern galt die »Schwulenseuche« als gerechte Strafe für ein freizügiges, lustbetontes Sexleben; diese Einstellung fand in unzähligen Leserbriefen, in Talkrunden und in alltäglichen Gesprächen Ausdruck.
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