Drohung mit dem Giftschrank
Es sagt viel über die nordrhein-westfälische AfD aus, dass es seit mehr als anderthalb Jahren einen Telegram-Kanal gibt, der eigentlich nur ein Ziel hat: Schmutz über den AfD-Landesvorsitzenden Martin Vincentz auszuschütten. »Zur Lage« heißt er und ist kein geschlossener Chat von AfD-Mitgliedern, sondern ein öffentlicher Kanal mit über 1.200 Abonnent:innen. Es gibt auch einen Gegenkanal namens »Zur Lüge«, in dem vor allem gegen den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich gepöbelt wird, der hat allerdings keine 300 festen Leser:innen. Er kommt auch nicht an die hohe Taktung des anderen Kanals heran, der täglich Anti-Vincentz-Botschaften verbreitet.
Martin Vincentz und Matthias Helferich sind die wichtigsten Protagonisten des Streits, der seit langem die AfD in Nordrhein-Westfalen prägt. Helferich repräsentiert dabei den klar völkischen Parteiflügel. Beim Landesparteitag am zweiten Märzwochenende in Marl könnte Vincentz nun in einer Kampfabstimmung sein Amt als Landesvorsitzender verlieren.
Im Landesverband herrsche ein »Dschihad«, der ihn seit Monaten »lähmt und zerstört«, schrieb der AfD-Landtagsabgeordnete Sven Tritschler.
Auf den ersten Blick haben die beiden einiges gemeinsam. Mit 39 beziehungsweise 37 Jahren sind sie fast gleichaltrig. Sie sind seit 2014 respektive 2015 in der AfD aktiv. Für Vincentz, einen Arzt aus Krefeld, ging es 2017 in den Landtag, 2022 wurde er zusätzlich Landesvorsitzender. Helferich zog 2021 in den Bundestag ein. Die AfD-Fraktion nahm ihn damals aber nicht auf. Der Grund waren Helferichs zahlreiche Konflikte mit Parteifreunden und seine offene Koketterie mit dem Nationalsozialismus – er bezeichnete sich selbst als »freundliches Gesicht des NS« und »demokratischer Freisler«.
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