12.03.2026
Neues aus Musik und Literatur

Gute Geister, böse Geister

Popkolumne. Schokolade mit Musik, Siri Hustvedts »Ghost Stories«.

Pop und Marketing – wer kann dazu schon nein sagen? Der Hersteller der Traditionsmarke »Ritter Sport« jedenfalls nicht: Gemeinsam mit Apple Music heckte man eine Sonderedition aus, in der die quadratische Schokoladentafel im Design verschiedener Cover populärer Alben im Regal liegt. Die Konsumentin kann beispielsweise zwischen »Crazy World« der Scorpions, Helene Fischers »Farbenspiel« und Cros »Raop« wählen. Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code, der direkt zu den entsprechenden Alben auf Apple Music führt. Ein kostenloses Probeabonnement für den Musik-Streamingdienst gibt es praktischerweise obendrauf.

Dass dieses Joint Venture das Quasimonopol von Spotify in Deutschland gefährdet, ist eher nicht zu erwarten. Dessen Marktanteil liegt immer noch bei fast 90 Prozent! Etwa die Hälfte der Abonnent:innen nutzen das werbefinanzierte Freemium-Modell. Spotify hat Werbung unter anderem für diesen Kund:innen­stamm also quasi schon ins Abonnementmodell integriert.

 Im Buch erzählt Hustvedt von ihrem geliebten Mann, der vor seinem Tod sagte, er möchte als Geist wiederkommen

Mit den Zumutungen des digitalen Kapitalismus bekommt es auch Siri Hustvedt nach dem Tod ihres Ehemanns Paul Auster zu tun. In ihrem zutiefst berührendem Buch »Ghost Stories« schildert sie, wie sie bei der Erledigung der »bürokratischen Todesgeschäfte« von einer automatischen Stimme am Telefon getriezt wird. »Mein Mann ist gestorben!« schreit sie das »Nicht-Wesen« in der Leitung an.

Im Buch erzählt Hustvedt von ihrem geliebten Mann, der vor seinem Tod sagte, er möchte als Geist wiederkommen. 43 Jahre lang war er ihr intellektueller Sparringspartner. Ganz subtil beeinflussten die beiden sich gegenseitig. Anrührend offen schreibt Hustvedt über Austers Krankenhausaufenthalte, sie veröffentlicht E-Mails, die sie an besorgte Freunde schrieb, sowie etliche Zeilen, die die beiden einander im Laufe ihres gemeinsamen Lebens zukommen ließen. Auch Briefe, die Auster an seinen Enkel verfasste, der fünf Monate vor dem Tod des Großvaters geboren wurde, und Erinnerungen an seinen Sohn aus erster Ehe, der sich umbrachte, finden sich in dem Buch.

Dieses herzergreifende Buch ist eine Schatztruhe für alle, die den Schriftsteller Paul Auster verehrten, die in die Beziehung eines liebenden Paares, das sich stets auf Augenhöhe bewegte, Einblick nehmen möchten, und den traumartigen Zustand kennen, in den einen die Trauer um einen geliebten Menschen stürzt. »Ghost Stories« ist auch eine zu Tränen rührende Liebesgeschichte.