Jungle+ Artikel 19.03.2026
IS-Anhänger auf freiem Fuß

Al-Hol öffnet seine Höllenpforten

Zehn Jahre lebten IS-Anhänger und ihre Familienangehörigen im nordsyrischen Lager al-Hol unter schwierigsten Bedingungen. Die »inter­nationale Gemeinschaft« reagierte kaum auf Hilfsgesuche und Warnungen seitens der kurdischen Lagerverwaltung. Nun sind einige der Insassen auf freiem Fuß.

Jahrelang wurde das Lager al-Hol im nordöstlichen Syrien, in dem kurdische YPG-Einheiten ab 2016 Anhänger des besiegten »Islamischen Staats« (IS) internierten, als tickende Zeitbombe charakterisiert. Am 20. Januar ist diese Bombe hochgegangen. Attacken durch Kräfte der syrischen Übergangsregierung auf kurdisch kontrollierte Regionen hatten den Abzug der kurdischen Einheiten und Verwaltungskräfte zur Folge. Sechs Stunden lang war eines der zuvor am stärksten überwachten Lager in Syrien ohne Absicherung und Überwachung – Tausende Frauen, Kinder und Familienangehörige von IS-Kämpfern und andere Personen mit mutmaßlichen Verbindungen zu der Terrororganisation flohen aus dem Lager. Mittlerweile ist es ganz geschlossen. Die verblieben Insassen haben sich zerstreut, einige wenige wurden unter Regierungsaufsicht in ein Lager in der Nähe von Aleppo gebracht.

Das Lager al-Hol war während des Zweiten Golfkriegs vom UNHCR eingerichtet worden, um irakische Flücht­linge unterzubringen. Im Zuge der Offensive der kurdisch geführten SDF gegen den IS beherbergte es ab 2016 Einwohner jener Territorien, die befreit worden waren. Mit den militärischen Erfolgen gegen den IS im März 2019 veränderte sich die Demographie im Lager entscheidend: Die Mehrheit der Insassen bestand von da an aus Familienangehörigen von IS-Kämpfern. Anfang dieses Jahres hatte das Lager 23 000 Insassen, mehr als 6 000 davon waren ausländische Staatsbürger aus mehr als 40 unterschiedlichen Ländern.

»Sie haben Jahre in einem extremistischen Umfeld verbracht, und die Kinder sind mit der Ideologie des IS aufgewachsen.« 
Der NGO-Mitarbeiter Omar warnt vor den ehemaligen Insassen von al-Hol

Noch kein Abonnement?

Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::