Jungle+ Artikel 19.03.2026
Türkischer Islamismus

»Die Anadolu Gençlik Derneği strebt ein Sharia-basiertes Gesellschaftsmodell an«

Eine islamistische Jugendorganisation aus der Türkei spielt eine entscheidende Rolle bei sogenannten propalästinensischen Demonstrationen in Deutschland. Die Jungle World hat darüber mit Linus ­Kebba Pook, dem Geschäftsführer der Monitoringstelle Democ, gesprochen. Diese hat gerade die erste umfassende Recherche zu den Strukturen und der Einflussnahme der Organisation veröffentlicht.

Was ist die zentrale Erkenntnis Ihrer Recherche?

Unsere Handreichung zeigt auf, dass die Avrupa Gençlik Derneği – der europäische Ableger der türkischen Anadolu Gençlik Derneği (AGD) – eine wachsende, aber bislang unterschätzte Rolle innerhalb der antiisraelischen Proteste in Deutschland spielt. Als zentrale Kaderschmiede der islamistischen Millî-Görüş-Bewegung lehnt die AGD die freiheitlich-demokratische Grundordnung konsequent ab und strebt stattdessen ein Sharia-basiertes Gesellschaftsmodell an.

Besonders besorgniserregend ist die ideologische und personelle Nähe zum Terror: In der Türkei pflegt die Organisation enge Kontakte zur Hamas-Führung und bekennt sich offen zur Unterstützung ­ihrer Gewaltakte. Diese Radikalität spiegelt sich auch in undurchsichtigen Finanzströmen wider; unter dem Vorwand der humani­tären Hilfe sammelt das Netzwerk Spenden, bei denen eine Zweckentfremdung zugunsten von Hamas-Strukturen nicht auszuschließen ist. In Deutschland agiert die Organisation strategisch geschickt: Sie nutzt propalästinensische Demonstrationen als Bühne, um hinter einer menschenrechtlichen Fassade islamistische Positionen in den öffentlichen Diskurs einzuspeisen und diese so schleichend salonfähig zu machen.

In der Türkei pflegt die Organisation enge Kontakte zur Hamas-Führung und bekennt sich offen zur Unterstützung ­ihrer Gewaltakte.

Was bezweckt sie mit ihrer Teilnahme an den sich propalästinensisch nennenden Protesten?

Sie nutzt die Proteste zur Vernetzung und um anschlussfähig zu werden. Dabei bleibt ihre Zugehörigkeit zur Millî-Görüş-Bewegung intransparent. Bisher war wenig bekannt, dass auch Millî-Görüş-Strukturen an den ­Protesten beteiligt sind.

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