Jungle+ Artikel 19.03.2026
Film über eine schwule SM-Beziehung

Nicht fetischisierter Fetisch

Eine SM-Beziehung ist das Thema des britischen Films »Pillion«. Regisseur Harry Lighton betont dabei zum Glück den Humor und nicht die Moral.

Das Sujet lustvoller Unterwerfung hat spätestens seit dem Welterfolg der Buch- und Filmreihe »Fifty Shades of Grey« kulturelle Konjunktur. Zuletzt zeigte Halina Reijn in »Babygirl« die sadomasochistische Affäre zwischen einer von Nicole Kidman verkörperten erfolgreichen Geschäftsfrau und ihrem Praktikanten (Harris Dickinson). Das neue Interesse am Spiel von Lust und Macht wird häufig als Antwort auf einen allzu korrekten Blick auf Sexualität interpretiert, als subver­siver Angriff auf eine neue Spießigkeit, mithin als Wiederkehr des Verdrängten – wenn auch der bisweilen klinisch stilisierte und voyeuristisch distanzierte Blick selbst als Ausdruck einer gewissen Prüderie kritisiert wurde. Mit »Pillion« hat der britische Regisseur Harry Lighton, beruhend auf dem Roman »Box Hill« von Adam Mars-Jones, eine schwule SM-Beziehung inszeniert – und dabei dankenswerterweise auf Moralismus ebenso verzichtet wie auf Idealisierung.

Der unscheinbare Colin, mit überzeugender Introversion verkörpert von Harry Melling (der in den Harry-Potter-Filmen Dudley Dursley spielte), führt ein unspektakuläres Leben in der britischen Provinz: Er wohnt noch bei seinen Eltern, arbeitet beim Ordnungsamt und singt in seiner Freizeit in einer A-Capella-Gruppe. Seine Mutter Peggy (Lesley Sharp) ist schwer an Krebs erkrankt und möchte ihren Sohn offenbar gerne unter der Haube wissen, bevor sie stirbt – so ist es ihr ganz recht, als Colin sich zu einem Date mit dem mysteriösen Biker Ray (Alexander Skarsgård) verabredet.

»Pillion« ist ein angenehm unaufgeregtes Plädoyer dafür, auch unkonventionelle Formen der libidinösen Verbindung nicht zur Konvention gerinnen zu lassen.

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