Putin kassiert
Die Sperrung der Straße von Hormuz kam für den russischen Präsidenten Wladimir Putin im richtigen Moment. 2025 waren die Einnahmen Russlands aus Öl- und Gasexporten um 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen, der Trend setzte sich Anfang dieses Jahres fort. Nun aber, so errechnete die Financial Times, verdient der russische Staat durch Steuern auf Ölexporte pro Tag 150 Millionen US-Dollar mehr als damals – ausgehend von einem Preis von 70 bis 80 US-Dollar pro Barrel, der derzeitige Preis liegt bereits bei etwa 100 US-Dollar. Auch beim Gasexport sind höhere Steuereinnahmen zu erwarten. Hinzu kommen zusätzliche Gewinne für die Konzerne selbst. Zudem kann Putin hoffen, nicht nur einige Wochen lang seine Kriegskasse aufzufüllen, sondern auch von einer längeren Energiekrise zu profitieren.
Putin kann hoffen, nicht nur einige Wochen lang seine Kriegskasse aufzufüllen, sondern auch von einer längeren Energiekrise zu profitieren.
Der größte Glücksfall für ihn wäre, wenn es zur Zerstörung von Förder-, Verarbeitungs- und Verladungsanlagen im Iran und den Golfmonarchien kommt, die Energieexporte also längerfristig sinken würden. Doch selbst wenn das ausbleiben sollte, ist keineswegs sicher, dass der Ölpreis auf das Vorkriegsniveau sinkt, denn er gibt nicht die Versorgungslage objektiv wieder, sondern die nicht immer rationalen Erwartungen »der Märkte«. Somit kann Putin auch hoffen, dass US-Präsident Donald Trump die Suspendierung der Sanktionen gegen den Kauf russischen Öls verlängert.
Überdies erleichtert der immense Verbrauch von Luftabwehrmunition durch die US-Armee Russland die Bombardierung der zivilen Infrastruktur der Ukraine. Die Versorgung der Ukraine hatte für Trump nie Priorität, Vereinbarungen stehen nun in Frage, wie Politico unter Berufung auf Quellen aus der EU und dem US-Kongress berichtete. In Frage stehen aber auch die Zahlungen der EU, denn der Kredit von 90 Milliarden Euro für die Ukraine wird von Ungarn und der Slowakei blockiert. Kredite des Internationalen Währungsfonds und baltischer Staaten sorgen für eine Zwischenfinanzierung, während die EU darauf hofft, dass Viktor Orbán die Wahl im April verliert und die Slowakei dann nachgibt. Sicher ist beides nicht.
Die strukturellen Probleme Russlands, das mit einem geringeren Bruttoinlandsprodukt als Italien Weltmachtstatus anstrebt und aggressiv durchzusetzen versucht, werden durch die windfall profits aus dem Iran-Krieg nicht gelöst. Aber sie verschaffen Putin einen zumindest zeitweiligen Vorteil.