Putins Propaganda auf Telegram
»Kann das jemand bestätigen? Angeblich werden bei Anti-AfD-Protesten 60 Euro vom deutschen Staat bezahlt«, schrieb die deutsche Influencerin Alina Lipp Ende Februar in einem ihrer Posts. Lipp lebt in Russland, ihr Telegram-Kanal heißt »Neues aus Russland«. Mehrmals täglich veröffentlicht sie dort für ihre knapp 170 000 Abonnenten Beiträge in deutscher und russischer Sprache. Manche Posts unterstützen einfach die AfD-Linie, andere verbreiten Verschwörungstheorien und Falschinformationen zum Krieg in der Ukraine oder zu Themen wie Covid und Migration. Seit Mai vergangenen Jahres steht Lipp auf der Sanktionsliste der EU. Sie sei »an Handlungen der Regierung der Russischen Föderation« beteiligt, »die die Sicherheit und Stabilität in der Union und in einem Drittland (Ukraine) untergraben«, hieß es zur Begründung, nämlich an dem »Einsatz koordinierter Informationsmanipulation und Einflussnahme«.
Ihr Kanal ist jedoch nur einer von vielen. Im Februar veröffentlichten die russischen Exilmedien The Insider und Novaya Gazeta Europe eine gemeinsame Recherche, für die sie deutschsprachige Telegram-Kanäle nach Pro-Putin-Propaganda untersuchten. Viele von ihnen stünden direkt oder indirekt unter der Kontrolle von RT. Der russische Staatssender ist Anfang 2022 in der EU verboten worden und nutzt nun offenbar Telegram, um ein deutsches Publikum zu erreichen. So sei Alina Lipp als »Journalistin-Redakteurin« bei ANO TV-Novosti angestellt, der Mutterfirma der RT-Gruppe. Dasselbe trifft auf mehrere andere Betreiber wichtiger Pro-Putin-Kanäle zu.
Der nach »Neues aus Russland« zweitgrößte deutschsprachige Propagandakanal heißt »Anti-Spiegel« und hat etwa 125 000 Abonnenten. Der Betreiber Thomas Röper ist inzwischen russischer Staatsbürger und der Recherche zufolge ebenfalls bei RT angestellt. Vor 2022 habe er außerdem für Inforos gearbeitet, eine Propagandafirma des russischen Militärgeheimdiensts GRU.
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