Alles, was Spaß macht
Auf der Rückseite von »Politik für junge Leute«, der 1980 erschienenen 7-Inch-Single der kurzlebigen Band Nachdenkliche Wehrpflichtige, sieht man deren einziges weibliches Mitglied auf einer Fotografie lächelnd und direkt in die Kamera blickend. Diese Aufnahme ist insofern hervorzuheben, als die Musikerin, die dort mit Anfang 20 abgelichtet worden war, rückblickend vor allem als unterkühlte Westberliner Stilikone erinnert wird.
Es handelt sich um Bettina Köster, Mitglied der 1984 aufgelösten, aber bis heute maßgeblichen Band Malaria! und ein einprägsames, rundherum wertgeschätztes Aushängeschild für alles, was in den frühen achtziger Jahren an Westberlin aufregend war. Tatsächlich bezeugt ihr Wirken und auch ihr Lächeln auf besagtem Bandfoto exemplarisch, dass Punk (oder Post-Punk) von weitaus mehr getrieben war, als es nicht wenige klischierte Erinnerungen an die besonderen Aggressivität des Genres nebst großen Auflehnungsmythen heute nahelegen. Es ging gerade darum, Ungewohntes zu erproben, vor allem aber das zu leben, was Spaß machte.
Nach einer Tour blieb Köster in New York City, Malaria! lösten sich auf. Geld verdiente sie in den kommenden Jahren mit diversen Jobs, bis sie schließlich Börsenanalystin im World Trade Center wurde.
1959 in Herford geboren, eckte Köster musikalisch schon sehr früh an. »Im Schulchor, da durfte ich nicht mehr mitsingen, weil ich immer falsch gesungen habe«, erinnerte sie sich 2020 in Lorenz Schröters dokumentarischem Hörspiel »All-Girl Underground 1980« an das Aufwachsen in der alten Bundesrepublik und die Pfade, die früh den Weg wiesen. »Dann hat man mich verdonnert zum Triangel-Spielen. Und wegen meines miserablen Rhythmus-Gefühls haben sie mir die auch weggenommen. So. Was macht so eine Person? Na klar, die muss doch in eine Punkband«, fügte sie lachend hinzu.
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