Jungle+ Artikel 26.03.2026
Linker Antisemitismus

Bloß nicht die Ente eine Ente nennen

Die Führung der Linkspartei bemüht sich nach dem antizionistischen Beschluss des Landesverbands Niedersachsen um Schadensbegrenzung. Das Wort »Antisemit« nimmt sie aber nur in den Mund, um davor zu warnen, es als »Beschimpfung« gegen Genossen zu nutzen.

Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich auch eine Ente. Doch viele Menschen haben ein erstaunliches Talent, gerade das Offensichtliche nicht zu erkennen oder zu benennen. Die Reaktionen des Führungspersonals der Linkspartei auf den Beschluss des Landesverbands in Niedersachsen vom 15. März, den »heute real existierenden Zionismus« abzulehnen, sind dafür ein gutes Beispiel. Die Parteivorsitzenden Jan van Aken und Ines Schwerdtner wären bei einem Entenerkennungstest schlichtweg durchgefallen. Sie üben sich in Verbalakrobatik, seitdem klar geworden ist, dass da etwas geschehen war, was Negativschlagzeilen produzierte. Denn die möchte die Parteispitze gern vermeiden.

Dabei ist der Antrag, der in Niedersachsen mit einer Zweidrittelmehrheit abgenickt wurde, nichts anderes als die Ablehnung des Existenzrechts des Staates Israel, also des Rechts von Jüdinnen und Juden auf einen eigenen Staat, in dem sie sicher vor Antisemitismus geschützt sind. Die Antragsteller prahlten in Social-Media-Videos ganz unverblümt: »Wir sind als erster Landesverband antizionistisch!« Damit verträte der Landesverband einer im Bundestag vertretenen Partei antisemitische Positionen, die man ansonsten nur von den Neonazis der Parteien »Die Heimat« (vormals NPD) und »Der III. Weg« kennt oder bei maoistisch-stalinistischen Polit­sekten wie der MLPD findet. Das muss man erst mal schaffen.

»Wir werden es deshalb auch nicht zulassen, wenn der Begriff ›Zionist‹ als Schimpfwort oder gar Feindmarkierung gegen Genossinnen und Genossen benutzt wird«, so Schwerdtner und van Aken am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung.

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