25.03.2026
Pläne der AfD zur Medienförderung in Sachsen-Anhalt

»Die Anzahl der Fördermitglieder hat sich erhöht«

Die AfD Sachsen-Anhalt plant für den Fall einer Regierungsbeteiligung oder -übernahme nach der Landtagswahl im September, die Praxis der Medienförderung radikal zu verändern. Besonders stört die Partei sich offenbar am freien Radiosender Corax aus Halle (Saale). Die Jungle World sprach darüber mit Alex und Lena vom Senderkollektiv.

Die AfD widmet euch fast eine ganze Seite ihres Wahlprogramms. Wie empfindet ihr das?

Lena: In gewisser Hinsicht habe ich das erst mal als Zuspruch erfahren. Wir tun viele Dinge, von denen die AfD nichts hält: Wir leben wirkliche Basisdemokratie, machen unterschiedliche Stimmen hörbar, entscheiden zusammen und greifen Themen auf, die nicht ins Weltbild der AfD passen. Dennoch ist auch eine Bedrohung damit verbunden. Immerhin geht es ja um Fördermittel, die uns unsere Arbeit ermöglichen.

Unser Programm ist eine Antithese zu fast allem, was die AfD plant oder in ländlichen Regionen teilweise auch schon umsetzt.

Alex: Also, überrascht hat uns das nicht so richtig, es gab auch vorher diesbezügliche Anfragen der Landtagsfraktion der AfD. Überraschend ist eher, dass uns im Wahlprogramm mehr Raum als den Öffentlich-Rechtlichen eingeräumt wurde. Das aber auch dazu geführt, dass sich die Anzahl der Fördermitglieder seitdem erhöht hat.

Wieso seid ihr so sehr in den Fokus der Partei geraten?

A: Inhaltlich widerspricht unser Programm deren Vorstellungen vehement. Wir senden völlig selbstverständlich in mehreren Sprachen, es gibt eine Geflüchteten-Redaktion und auch musikalisch laufen bei uns Dinge, die wenig mit dem Kulturverständnis der AfD zu tun haben. Unser Programm ist eine Antithese zu fast allem, was die AfD plant oder in ländlichen Regionen teilweise auch schon umsetzt.

L: Der AfD sind auch die wöchentlichen Antifa-Nachrichten ein Dorn im Auge. Darin wird nicht nur lokal, sondern auch überregional von Bewegungen der extrem Rechten und antifaschistischen Reaktionen darauf berichtet. Diese Rubrik wird auch im Wahlprogramm als Grund angeführt, uns die Finanzierung zu streichen.

Halten Sie die Streichungen für möglich, sollte die AfD an die Regierung kommen?

A: Das können wir leider selbst nicht so gut voraussehen, aber natürlich ist es möglich. Deswegen nehmen wir das ernst. Die AfD möchte auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angreifen. Aber den mal eben so einzuschränken und abzuschaffen, ist viel schwieriger. Da ist Corax erst mal ein besseres Ziel. Sie können damit zeigen: Wir machen was gegen linke Strukturen. Allerdings steht die Medienanstalt des Landes bislang hinter uns, auch weil wir viele Fördergelder einbringen. Zwar finden die vielleicht inhaltlich nicht alles gut, aber beurteilen trotzdem unseren Sender im Sinne einer Medienpluralität anders als die AfD.

Welche Konsequenzen hätten die Streichungen für das Medienangebot in Sachsen-Anhalt?

A: Das hiesige Medienangebot ist schon heute geprägt von kaum existierender Lokalberichterstattung und Medien, die westdeutsche Verlage hier reindrücken. Die Erfolge von rechten Gratisblättern oder dem neuen Zeitungsprojekt Ostdeutsche Allgemeine sind auch ein Ergebnis davon. Hier würde ein freies Radio auch als Ort der Verständigung und Widerrede, aber auch der guten Musik fehlen, sollte es nicht mehr existieren.

Gibt es bereits Pläne für den Fall der Fälle?

L: Wir planen, unabhängiger von öffentlichen Geldern zu werden. Wir wollen uns da mehr auf unseren Förder- und Freundeskreis fokussieren, bei dem Mitglied werden kann, wer uns unterstützen möchte.

A: Egal wie die die Landtagswahl ausgeht, die Relevanz eines solchen Radioprojekts wird nicht kleiner, deswegen sind wir eher motiviert, auch neue Formate auszuprobieren und mehr in den ländlichen Raum zu gehen.