26.03.2026
Nicht jeder Hund hat eine Meinung

Meinungsfreiheit auf vier Beinen

Nicht jede Meinung muss von der Meinungsfreiheit geschützt werden, vor allem, wenn sie allzu lautstark daherkommt.

Derzeit wird ja viel über Meinungsfreiheit diskutiert, oder jedenfalls geredet, doch leider setzt die Diskussion immer zu spät an. Voraussetzung für das Recht, seine Meinung zu äußern, ist ja zunächst einmal, überhaupt eine eigene Meinung zu haben. Daran mangelt es in der Regel bereits. Und wenn es schon nicht eine eigene Meinung ist, so sollte man doch zumindest irgendeine Meinung kennen. Sich eine Meinung zu bilden, ist jedoch etwas anderes, als einfach seinem Ressentiment freien Lauf zu lassen. Vor der Meinungsfreiheit kommt zunächst die Meinungsbildung, und vielleicht ist es vielmehr diese, mit der es den Bach hinuntergeht. Eine Meinung zu haben, setzt voraus zu verstehen, dass es sich um ein subjektives Urteil handelt, man benötigt ein Bezugssystem für seine Wertung. Um einen Standpunkt zu haben, muss man wissen, wo man steht.

 Eine Meinung zu haben, setzt voraus zu verstehen, dass es sich um ein subjektives Urteil handelt, man benötigt ein Bezugssystem für seine Wertung.

Ein Beispiel für jemanden ohne echte Meinung, aber mit umso größerer Klappe ist Coco. Die kleine Hündin kommentiert leidenschaftlich gerne. Wenn jemand im Haus gegenüber sein Fenster öffnet, muss Coco ihren Senf dazu geben; wenn abends eine Mülltonne falsch auf dem Gehweg steht, wird auch dies bewufft. Könnte sie selbst Posts verfassen in den sozialen Medien, würde man sie für einen Troll-Bot halten. Meinungen sind das aber nicht, denn Coco ist beim besten Willen nicht in der Lage, diese zu ändern, ja nicht einmal dazu, sich Argumente überhaupt anzuhören beziehungsweise zu reflektieren.

Daher kann sie sich, meiner Meinung nach, nicht auf die Meinungsfreiheit berufen, vielmehr meine ich, ihr diesen Unsinn verbieten zu dürfen. Wenn es nach mir ginge, dann sollte sie ihre vermeintliche Meinung für sich behalten. Das mit dem Verbieten ist natürlich nicht so einfach. Dazu würde Coco vermutlich sagen: Du darfst verbieten, ich darf mich nicht daran halten. Es liegt jedenfalls auf der Hand, wer hier als Sieger vom Platz geht. Und es ist ja bei den Menschen auch nicht anders. »Farting With a Walkman On« heißt ein Lied der Bloodhound Gang, und das beschreibt so ziemlich genau das, was viele unter ihrem Recht auf Meinungsfreiheit verstehen. Wenn ich hingegen Coco beobachte, habe ich durchaus den Eindruck, dass sie sich bemüht, mich zu verstehen, dass es in ihrem Kopf schon rattert, nur leider fehlen dann halt am Ende die entscheidenden Synapsen. Fehlenden Willen, andere Argumente zur Kenntnis zu nehmen, kann ich ihr jedenfalls nicht unterstellen, oder jedenfalls nicht nachweisen, und damit unterscheidet sie sich positiv von so manchem menschlichen Zeitgenossen.