Nichts ist hier abstrakt
Heller Strand und weiter Himmel, türkisgrüne Palmen und azurblaues Meer, eine Idylle. Doch wer genauer hinschaut, erkennt in den Miniaturfiguren des Gemäldes gefangene Sklaven, die aus dem Palmenwald an den Strand geführt und in Boote verladen werden. Ein typisches Bild von Kerry James Marshall: Der Künstler zelebriert eine Schönheit, die untergründig von der düsteren Geschichte der Versklavung erzählt.
Einer der bedeutendsten afroamerikanischen Maler der Gegenwart wird derzeit auf großer Bühne in Europa gefeiert. Nach der Royal Academy in London ist das Kunsthaus Zürich die dritte Station der von Mark Godfrey in Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen realisierten Schau »The Histories«, die zugleich die einzige im deutschsprachigen Raum ist. Die Ausstellung reist danach weiter ins Musée d’Art Moderne de Paris.
Musikclubs und Frisiersalons sind die Schauplätze; Orte, die für den Künstler weit mehr als kommerzielle Dienstleistungsbetriebe sind, es sind Orte einer eigenen Lebenswelt.
Für das Kunsthaus Zürich wird sie von der Kunsthistorikerin Cathérine Hug kuratorisch begleitet. Das Publikum erwartet eine farbenfrohe und monumentale Darstellung afroamerikanischer Gegenwart in der ironisch leicht gebrochenen Tradition der europäischen Historienmalerei. Von Abstraktionen hält Marshall dagegen nicht viel.
In seinen großformatigen und figurativen Gemälden nutzt er Stil, Perspektiven und Motive der westlichen Kunstgeschichte, um die Geschichte und heutige Lebensrealität der Afroamerikaner in den USA darzustellen. Musikclubs und Frisiersalons sind die Schauplätze; Orte, die für den Künstler weit mehr als kommerzielle Dienstleistungsbetriebe sind, es sind Orte einer eigenen Lebenswelt.
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