26.03.2026
Trump und der Iran-Krieg

Präsident sucht Ayatollah

Das iranische Regime ist nicht zusammengebrochen und übt ökonomischen Druck aus. US-Präsident Donald Trump steht vor der Entscheidung, nachzugeben oder militärisch zu eskalieren.

Die Straße von Hormuz werde vom Iran und den USA »gemeinsam kontrolliert werden«, sagte US-Präsident Donald Trump am Montag. Dafür zuständig seien dann »ich und der Ayatollah, wer auch immer der Ayatollah sein mag«. Die Behauptung des US-Präsidenten, es gebe »produktive Gespräche« mit der iranischen Führung, ließ den Ölpreis sinken. Doch der Effekt hielt nicht lange an, denn von iranischer Seite wurden die angeblichen Friedensgespräche um­gehend dementiert. Am Dienstag relativierte ein hoher Beamter des iranischen Außenministeriums dann gegenüber CBS News das Dementi – man habe Vorschläge aus den USA erhalten, die geprüft würden –, während Karoline Leavitt, die Pressesprecherin des Weißen Hauses, von »heiklen diplomatischen Diskussionen« sprach: »Die Dinge sind im Fluss.«

Man kann davon ausgehen, dass, auf welchen Kanälen auch immer, informelle Verhandlungen stattfinden, bislang aber unklar ist, wie eine Einigung – die kein offizieller Friedensschluss sein muss – aussehen könnte. Das iranische Regime will den Krieg mit möglichst wenig zusätzlichem Schaden überstehen. Mit der Sperrung der Straße von Hormuz und den Drohungen, die Infrastruktur der Öl- und Gasförderung in den Golfmonarchien anzugreifen, verfügt es über ein Druckmittel, das Trump nicht ignorieren kann.

Die Gelegenheit für einen Putsch wäre die Zeit der Verwirrung in den ersten Tagen des Bombardements gewesen. Nun aber kann das Regime hoffen, dass der ökonomische Druck Trump zum Nachgeben zwingt.

Hier beginnen die Rätsel der Trumpologie, die bekanntliche keine exakte Wissenschaft ist. Mittlerweile gibt es aber zumindest eine schlüssige These, wer ihn zum Angriff auf den Iran überredet hat – der republikanische Senator Lindsey Graham, ein langjähriger Befürworter von Militäraktionen gegen die Islamische Republik. Er war sogar so freundlich, Politico zu erläutern, wie er das angestellt hat: bereits Ende 2024, natürlich beim Golfspielen, durch einen Appell an Trumps Eitelkeit: »Wenn Sie dieses terroristische Regime zum Zusammenbruch bringen können, ist das eine Sache wie der Fall der Berliner Mauer.«

Zweifellos würde Trump sich gerne rühmen, dort Erfolg zu haben, wo andere US-Präsidenten gescheitert sind; deshalb wohl will er auch Kuba, ökonomisch betrachtet keine lohnende Beute, übernehmen. Dass der dictator change in Venezuela – die Entführung von Präsident Nicolás Maduro, der durch Vizepräsidentin Delcy Rodríguez ersetzt wurde – im Januar so reibungslos vonstatten ging, habe Trump ermutigt, so Graham, auch den Iran anzugreifen.

Dort dürfte man allerdings das fact sheet des US-Energieministeriums über das neue Arrangement mit dem venezolanischen Regime zur Kenntnis genommen haben: »Alle Erlöse aus dem Verkauf von venezolanischem Rohöl und Ölprodukten werden zunächst auf von den USA kontrollierten Konten bei weltweit anerkannten Banken verbucht (…) Diese Mittel werden nach Ermessen der US-Regierung zum Wohle des amerikanischen und des venezolanischen Volks ausgezahlt.« Für die schmale Führungsschicht des auch ideo­logisch heruntergewirtschafteten venezolanischen Regimes mag es akzeptabel sein, wenn nun Trump die Schmiergelder verteilt. Das iranische Regime ist jedoch anders strukturiert und fester gefügt.

Die iranischen Pasdaran (Revolutionsgarden) kontrollieren schätzungsweise ein Drittel der Wirtschaft des Landes, hinzu kommen immens reiche religiöse Stiftungen, die de facto Pfründe regime­treuer Geistlicher sind. Habgier und ideologischer Fanatismus schließen einander aber nicht aus, vielmehr betrachten Ayatollahs und Pasdaran-Generäle ihren Reichtum als gerechte Belohnung für ein gottgefälliges Werk, dem sie – an Nachrückern für Führungspositionen mangelt es trotz der hohen Abschussquote nicht – auch ihre Leben zu opfern bereit sind.

Trump hatte sich den dictator change offenbar einfacher vorgestellt. Es mag Kräfte im Regime geben, die bereit wären, einer aggressiven Außenpolitik im Tausch gegen eine Anerkennung ihrer islamistischen Diktatur und die Aufhebung der Sanktionen zu entsagen. Doch die Gelegenheit für einen Putsch wäre die Zeit der Verwirrung in den ersten Tagen des Bombardements gewesen. Nun aber kann das Regime hoffen, dass der ökonomische Druck Trump zum Nachgeben zwingt – da er nie konsistente Kriegsziele genannt hat, kann er bei jeder Einigung von einem glänzenden Sieg fabulieren. Die militärische Option, um wiederum Druck auf das Regime auszuüben, wäre die am Montag von Graham empfohlene Besetzung der Insel Kharg, wo 90 Prozent des iranischen Ölexports abgewickelt werden. »Das haben wir auf Iwo Jima gemacht«, sagte der Senator – dort aber starben 1945 in fünfwöchigen Kämpfen 7.000 Marines.