Jungle+ Artikel 02.04.2026
Interview mit Julia Loktev über kritische Journalistinnen in Russland

»Ich wusste von Anfang an, dass das Land in den Totalitarismus abrutschte«

Eigentlich wollte die Dokumentarfilmemacherin Julia Loktev kritische Journalistinnen des mittlerweile aus Russland vertriebenen Fernsehsenders TV Rain (auch bekannt als Doschd) bei ihrer Arbeit begleiten – dann aber griff Russland die Ukraine an. Im Gespräch über ihren nun erschienenen Dokumentarfilm »My Undesirable Friends: Part I – Last Air in Moscow« erzählt sie vom Aufstieg des Autoritarismus, der Taktik der russischen Führung, Angst zu verbreiten, und davon, was aus ihren Protagonistinnen im Exil geworden ist.

Ihr Film beginnt im Winter 2021, als unabhängige Medien in Russland noch nicht verboten waren, aber immer mehr unter Druck gerieten. In einer Szene sagt eine Protagonistin halb im Scherz, dass es schon nicht so schlimm kommen werde, solange Russland sich nicht in ein zweites Nordkorea verwandle. Ist es dazu inzwischen gekommen?

Wie schon Lew Tolstoj schrieb, ist jede unglückliche Familie auf ihre eigene Weise unglücklich. Russland hat sich nicht in ein zweites Nordkorea verwandelt. Es hat sich in das Russland von heute verwandelt, was schon ziemlich erschreckend ist. Es braucht keine Vergleiche mit Nordkorea.

Sie wollten ursprünglich einen Film über Journalisten drehen, die als ausländische Agenten eingestuft wurden. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Ihr Film ein viel umfassenderes Bild von einem Land zeichnet, das in den Totalitarismus abgleitet?

»Die ältere Generation tolerierte vieles, weil sie nicht das Gefühl hatte, etwas verändern zu können. Und genau das ist im Wesentlichen das Ziel von Putins Propaganda.«

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