Kampagnen von ganz rechts
Dass sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer der Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises an drei linke Buchhandlungen verweigert hatte, bewegte in den vergangenen Wochen die deutsche Literaturwelt. Weimer erntete viel Kritik, stellenweise sogar von konservativen Medien. Das rechtspopulistische Online-Medium Nius jedoch feierte sich selbst dafür, dass es »Wolfram Weimer zwang, sich mit dem linksradikalen Kulturbetrieb anzulegen«.
Schon im Oktober vergangenen Jahres hatte Nius anlässlich der Verleihung des Deutschen Verlagspreises an die Verlage Unrast, Verbrecher-Verlag, Edition Assemblage, Edition Nautilus, Manifest und Westfälisches Dampfboot kritisiert, der Preis diene dazu, »Linksextremisten mit Steuergeld zu bedenken«. Dass Weimer nun linke Buchhandlungen von der Liste der von der Jury ausgewählten Preisträger strich, rechnet sich Nius als Erfolg der eigenen Kampagne an.
Und daran will man anknüpfen. Seit Weimers Entscheidung greift Nius das Thema linker Buchhandel immer wieder auf. Teilweise wird dabei schlicht auf deren Angebot im Online-Shop hingewiesen, etwa auf den Titel »Tipps & Tricks für Antifas und Antiras«. Die Nius-Redaktion verlässt sich offenbar darauf, dass ihre Leser schon die Existenz linker Bücher für einen Skandal halten.
Bei »Nius« war zu lesen, die Berliner Buchhandlung »Prinz Eisenherz« propagiere »die ›Progressive Pride‹-Ideologie«, welche »Pädophilie den Weg« bereite.
Noch kein Abonnement?
Um diesen Inhalt zu lesen, wird ein Online-Abo benötigt::