02.04.2026
Posterboy der Islamlinken

Tiefer Fall

18 Jahre soll der 64jährige Tariq Ramadan ins Gefängnis. So lautet das erstinstanzliche Urteil eines Pariser Gerichts gegen den sich selbst als Reformsalafisten bezeichnenden Islamwissenschaftler. Verurteilt wurde er wegen Vergewaltigung von drei Frauen zwischen 2009 und 2016.

Das Pariser Urteil erging in Ramadans Abwesenheit, denn dieser befindet sich, trotz der Justizauflage, sich im Großraum Paris aufzuhalten, angeblich in einer Klinik in Genf mit der Begründung, dass sich Ramadans MS-Erkrankung plötzlich verschlimmert habe. Zwei vom Gericht beauftragte Gutachter konnten das allerdings nicht feststellen und erklärten ihn für vernehmungsfähig.

 2003 weigerte sich Ramadan  in einer Fernsehdebatte mit Nicolas Sarkozy, die Steinigung als Bestrafung von Ehebrecherinnen pauschal zu verurteilen, und forderte stattdessen ein »Moratorium« in dieser Frage.

Als die ersten Vergewaltigungsvorwürfe 2017 publik wurden und Ramadan in Untersuchungshaft kam, schwappte eine Solidaritätswelle über ihn – getragen von Wissenschaftlern, Intellektuellen, Politikern und Geistlichen, die über eine besondere Voreingenommenheit französischer Gerichte gegen Muslime lamentierten. Darunter, um nur die Crème de la Crème zu nennen: der Querfront-Soziologe Jean Ziegler, der unvermeidbare Noam Chomsky, die Geschlechterhistorikerin Joan W. Scott, der Filmemacher Ken Loach und die feministische Theoretikerin Christine Delphy, die sich Ende 2003 gegen das Kopftuchverbot an Schulen wandte.

Ramadan ist Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der Muslimbruderschaft, und Sohn von Said Ramadan, führender Vertreter derselben Organisation. Zum Zeitpunkt der Vorwürfe hatte Tariq Ramadan an der Oxford University eine von Katar finanzierte Stiftungsprofessur für Islamwissenschaften inne. Begonnen hatte seine Karriere allerdings holprig. Mit der Dissertation klappte es erst im zweiten Anlauf, da sie zunächst wegen unwissenschaftlicher Verklärung seines Großvaters abgelehnt worden war. 2003 weigerte er sich in einer Fernsehdebatte mit Nicolas Sarkozy, die Steinigung als Bestrafung von Ehebrecherinnen pauschal zu verurteilen, und forderte stattdessen ein »Moratorium« in dieser Frage.

2024 wurde bereits er in der Schweiz in einem anderen Fall wegen Vergewaltigung rechtskräftig zu drei Jahren Haft verurteilt, davon zwei auf Bewährung.