Jungle+ Artikel 09.04.2026
KI und Arbeitsplätze

Arbeitsgesellschaft in der Sackgasse

Welche Folgen die Umbrüche aufgrund der KI-Technologie haben werden, ist unklar. Was sie zerstören können, ist indes nur die Illusion einer Arbeitsgesellschaft, wie sie seit der IT-Revolution der achtziger und neunziger Jahre mühsam aufrechterhalten wird.

Der breite Einsatz von Systemen Künstlicher Intelligenz (KI) in der spätkapitalistischen Arbeitsgesellschaft steht – abseits einiger Nischen in der IT-Indus­trie – erst am Anfang, die Folgen dieses Umbruchs zeichnen sich erst undeutlich ab. Es ist demgemäß die Zeit großer, sich gerne widersprechender Studien, die der Wissenschaftsbetrieb inzwischen im Wochenrhythmus veröffentlicht. Ob dem Arbeitsmarkt nun eine Apokalypse oder ein Boom bevorsteht – nahezu jede Meinung scheint sich durch Untersuchungen oder Expertenaussagen begründen zu lassen.

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) veröffentlichte Ende 2025 eine Studie, der zufolge in den USA bereits jetzt rund 11,7 Prozent der Lohnarbeiter durch KI-Systeme ersetzt werden könnten, was einer Lohnsumme von rund 1,2 Billionen US-Dollar jährlich entspräche. Anfang 2024 kam die Zeitschrift des Instituts, die MIT Technology Review, noch zu der optimistischen Schlussfolgerung, dass die durch Agentensysteme und Große Sprachmodelle ausgelösten Arbeitsplatzverluste durch neue Stellen ausgeglichen werden könnten, die im Rahmen der KI-Revolution entstehen sollen. Das KI-Unternehmen Anthropic bietet ebenfalls für jeden Geschmack etwas: Anfang März veröffentlichte die Firma einen Bericht, der keine Beweise dafür sehen konnte, dass aufgrund von KI die Arbeitslosigkeit steige, während zur selben Zeit das Wirtschaftsblatt Fortune unter Berufung auf Untersuchungen derselben Firma von einer drohenden »Rezession für die Büroangestellten« warnte.

Die meisten bisherigen durch KI begründeten Entlassungswellen waren nicht durch tatsächliche Produktivitätsfortschritte, sondern durch die »Antizipation der Auswirkungen von KI« motiviert.

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