Die Idee, ein Album aufzunehmen, auf dem sich nur Coverversionen von Liedern anderer Musiker finden lassen, ist nicht neu. In der Geschichte der Populärmusik findet sich eine Vielzahl an Beispielen dafür, die mal mehr, mal weniger von Erfolg gekrönt waren. Bereits 1973 veröffentlichte David Bowie mit »Pin Ups« ein eher schwaches Album mit Pop-Covern aus den Sechzigern, in den Neunzigern lieferten Rage Against the Machine mit »Renegades« einen Parforceritt durch 30 Jahre Protestmusik und Johnny Cashs »American IV: The Man Comes Around« von 2002 enthält zwar auch ein paar Eigenkompositionen, blieb aber vor allem durch seine Cover von Nine Inch Nails’ »Hurt« und »Personal Jesus« von Depeche Mode in Erinnerung. Xiu Xiu befinden sich mit »Xiu Mutha Fuckin’ Xiu: Vol. 1«, ihrem 15. Studioalbum, bestehend aus Coversongs, die zuvor bereits ausschließlich über ihren Bandcamp-Abo-Service erhältlich waren, also in bester Gesellschaft. Seit 2020 hatte die Band regelmäßig über Bandcamp Coverversionen veröffentlicht, das nun erschienene Album ist eine Auswahl aus über 60 dieser Songs – die Standard-Ausführung zählt zwölf Titel, eine schwer zu ergatternde Deluxe-Pressung sogar 16, eine Version mit beigelegter 7-Inch ist gar auf 300 Exemplare limitiert.
Das Album der kalifornischen Noise-Rock-Band funktioniert erstaunlich gut. Die Cover reichen von Screamin’ Jay Hawkins »I Put a Spell on You« (1956) bis zu »Lick Or Sum« der US-amerikanischen Rapperin Glorilla aus dem Jahr 2024. Während Letzteres in der Xiu-Xiu-Version vor allem kurios wirkt, schafft die Band es in vielen anderen Fällen, im Original Angelegtes noch einmal musikalisch zu verstärken. Boy Harshers EBM-Hit »Pain« (2015) funktioniert wunderbar in der minimalistischen Xiu-Xiu-Version und auch das orgellastige Cover von »Psycho Killer« (Talking Heads, 1977) macht Lust auf Volume 2 – das allerdings noch nicht angekündigt ist.
Xiu Xiu: Xiu Mutha Fuckin’ Xiu: Vol. 1 (Polyvinyl)