Die neue autoritäre Linke
Die ideologische Rechtfertigung
»All oppressed people have a right to violence« steht auf dem selbstgebastelten Pappschild, das eine Frau mit Sonnenbrille und rotem Schal auf einer Großdemonstration für Gaza am 21. Juni 2025 in Berlin hochhält – alle Unterdrückten haben ein Recht auf Gewalt. Damit deutet sie das, was die Hamas und andere palästinensische Terrororganisationen am 7. Oktober 2023 taten, zu einer legitimen Form des »Widerstands« um. Ein Foto dieser Szene erscheint noch am selben Tag als Teil einer Bildgalerie des Protests auf Instagram, die mit Zehntausenden Likes überhäuft wird. Eine Recherche ergibt: Die Frau mit dem Schild ist Kinderkunstlehrerin im Prenzlauer Berg, einem bürgerlichen, linksgrün geprägten Berliner Bezirk.
Ähnliche Sprüche sind seit dem 7. Oktober 2023 auf Demonstrationen in vielen westlichen Ländern salonfähig geworden, und zwar nicht nur innerhalb organisierter K-Gruppen, sondern auch unter »Bauchlinken«, sonst progressiven Künstlern oder Menschen, die sich als Friedensaktivisten gerieren. Sie wollen die »Intifada globalisieren«, legitimieren Gewalt gegen »Zionisten« und »Siedler« und spornen diejenigen an, die bewaffnet in den Kampf ziehen, wie es die Hamas an jenem Oktobertag tat.
Die neue autoritäre Linke ist fasziniert von der Waffengewalt nationaler Befreiungsbewegungen, die als »authentisch« und deshalb moralisch unterstützenswert gelten.
Diese Ideologie grassiert vor allem unter jungen Aktivisten. Das Center for American Political Studies an der Harvard University in den USA führt eine monatliche Umfrage zu verschiedenen politischen Themen durch. Direkt nach dem 7. Oktober 2023 sagten 48 Prozent der befragten 18- bis 24jährigen, dass sie eher die Hamas als Israel unterstützten (bei den 25- bis 34jährigen waren es 29 Prozent, über alle Altersgruppen im Schnitt 16 Prozent).
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