Jungle+ Artikel 09.04.2026
»Meeting Götz«

Die Ziegen von Schnellroda

Eine neue Dokumentation versucht sich an dem, woran liberale Medien in den vergangenen Jahren wiederholt gescheitert sind. »Meeting Götz« liefert ein diskussionswürdiges Porträt des neurechten Verlegers Götz Kubitschek.

Ein Verleger, der in der Lage ist, einen Gedanken grammatikalisch korrekt auszuformulieren, der von Krieg und Tod fabulieren kann, ohne sich sofort als Sofakrieger lächerlich zu machen, und der weiß, wie man völkisch raunt, ohne dass es nach Hitlerei klingt, ist eine Seltenheit in der extremen Rechten. Ein solcher ist der Selbstdarsteller Götz Kubitschek. Als einen der prominentesten Vertreter der Neuen Rechten geht es Kubitscheks darum, völkisch-nationalistische, militaristische und autoritäre Ideen, die durch die Geschichte des Nationalsozialismus desavouiert sind, unter Anschluss an die Denker der sogenannten Konservativen Revolution der Weimarer Republik zu rehabilitieren.

Dem Verleger gelang es, den in Deutschland bis dahin in überschaubaren akademischen Kreisen disku­tierten Ideen der Neuen Rechten ein breiteres Publikum zu verschaffen. Als sich 2014/2015 mit den Dresdner Pe­gida-Demonstrationen eine völkische Bewegung formierte, galt er als das dunkle Mastermind hinter diesen Entwicklungen. Zur selben Zeit wurde eine Gruppe um den Parteigründer Bernd Lucke aus der AfD gedrängt und die Partei profilierte sich endgültig als migrationsfeindliche und größtenteils völkisch-nationalistische Partei – was ihr nicht zum Nachteil gereichte. Auch hier galt Kubitschek als Einflüsterer des Anführers des sogenannten völkischen Flügels der AfD, Björn Höcke.

Damals pilgerten Journalist:innen gern in das sachsen-anhaltische Dörfchen Schnellroda, wo Kubitschek mit seiner Familie ein altes Gutshaus bewohnt, hochtrabend als Rittergut bezeichnet, das er als intellektuell-elitäres Zentrum der deutschen extremen Rechten zu etablieren trachtete. Liberalen Journalist:innen schien es zu ge­nügen, dass da ein Rechtsextremer auf einem Rittergut haust, seine Ehefrau siezt und seine Ziegen selbst melkt – inhaltlich waren die meisten Artikel sehr dürftig.

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