Loyalität zuerst
Es ist höchst ungewöhnlich, dass ein hochrangiger General während eines Kriegs gefeuert wird. Selbst wenn es militärisch nicht rund läuft, versucht man, dies zu kaschieren, um den Anschein von Geschlossenheit zu wahren. Doch am Donnerstag voriger Woche versetzte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth mehrere hohe Offiziere mit sofortiger Wirkung in den Ruhestand, darunter Randy George, als Chief of Staff of the United States Army der ranghöchste Offizier der US-Landstreitkräfte. Die wurden im Iran-Krieg noch nicht eingesetzt, militärische Patzer kommen als Entlassungsgrund also nicht in Frage. Georges Karriere erscheint geradezu musterhaft: Er wurde mit 18 Soldat, studierte unter anderem in West Point und am Naval War College, kommandierte Truppen im Irak und in Afghanistan, stieg in organisatorische Führungspositionen auf und wurde zunächst Vize-, 2023 dann Generalstabschef der Army. In diesem Amt reduzierte er die Zahl der Verwaltungsposten und trieb die Modernisierung der Kampftruppen im Hinblick auf Drohnentechnologie und den Einsatz Künstlicher Intelligenz voran.
Hegseth hat bereits mehr als ein Dutzend hoher Offiziere entlassen. Sein Kampf gegen »woke« Offiziere ist aus rechtsextremer Sicht vielleicht unvermeidlich, denn das US-Militär war in den vergangenen Jahrzehnten um Inklusion bemüht.
Damit hätte eigentlich auch Hegseth zufrieden sein müssen, der die Entlassung nicht begründete. George legte aber wohl zu viel Wert auf Professionalität. Gemeinsam mit Daniel P. Driscoll, dem Staatssekretär für die Army, widersprach er Hegseths Entscheidung, zwei Schwarze und zwei Frauen von der Liste der Offiziere zu streichen, die in den Generalsrang befördert werden. Zwei Wochen vor der Entlassung verweigerte der Verteidigungsminister George ein Gespräch über diese Entscheidung. An Driscoll traut er sich offenbar noch nicht heran, denn der ist ein Freund und Schützling von Vizepräsident J. D. Vance.
Hegseth hat bereits mehr als ein Dutzend hoher Offiziere entlassen. Sein Kampf gegen, wie er sich ausdrückte, »woke« (Hegseth zuschreiben) Offiziere ist aus rechtsextremer Sicht vielleicht unvermeidlich, denn das US-Militär war in den vergangenen Jahrzehnten um Inklusion bemüht. Es ist sinnvoll, für die Steigerung der Kampfkraft, möglichst das gesamte gesellschaftliche Potential auszuschöpfen – und das machistische Kriegerethos, dem Hegseth anhängt, ist in der modernen Kriegführung eher hinderlich. Der Verteidigungsminister stellt nun klar, dass hundertprozentige Gefolgschaft gefordert wird, Kompetenz hingegen zweitrangig ist.