09.04.2026
Erstarkende Rechtspopulisten in Australien

Scheinalternative für Australien

Die rechtspopulistische australische Partei One Nation hatte bei der Wahl in Südaustralien erstmals einen großen Erfolg außerhalb ihrer Stammregion. Gefährlicher als die Zahl der Stimmen ist, dass die Partei über ihre Wähler:innenschaft hinaus Einfluss hat.

Es war eine Regionalwahl, dennoch dürfte das Ergebnis bedeutsam für ganz Australien sein. Die am 21. März abgehaltene Wahl im Bundesstaat Südaustralien sah neben dem Gewinn der Labor Party auch einen enormen Wahlerfolg von One Nation, die in vielen Punkten der deutschen AfD ähnelt. Bisher war es der von Pauline Hanson geführten Partei nicht gelungen, außerhalb ihres Herkunftsbundesstaats Queensland bedeutende Erfolge einzufahren. Mit über 20 Prozent wurde One Nation nun zweitstärkste Kraft, noch vor der konservativen Liberal Party, einer der traditionellen zwei Parteien, die sonst den Sieg sichern, wenn nicht Labor gewinnt.
Trotz dieses beachtlichen Ergebnisses schlagen sich die gewonnenen Stimmen lediglich in vier von 47 Sitzen im südaustralischen Unterhaus nieder, während Labor dort mit 34 Sitzen vertreten sein wird. Der Grund dafür liegt im australischen Präferenzwahlsystem, bei dem die Wähler:innen nicht nur eine Stimme abgeben, sondern ihre Präferenzen in eine Rangfolge bringen. Obwohl viele Wähler:innen ihre Erststimmen den Kandidat:innen von One Nation gaben, reichte es selten für die Mehrheit.

Expert:innen zufolge schützt dieses Präferenzwahlsystem vor extremen Schwankungen, die das Mehrheitswahlrecht sonst hervorbringen kann, und vor Erfolgen extremistischer Parteien. Mit überwältigender Mehrheit der Mandate bleibt also der amtierende Labor-Premierminister Südaustraliens, Peter Malinauskas, im Amt. Trotz der geringen Anzahl von Unterhausrepräsentanten bietet der Wahlerfolg von One Nation Anlass zur Sorge, vor allem bei denen, die Gefahr für die 2028 anstehenden Bundeswahlen wittern.

One Nation war vor allem bei älteren Wählern erfolgreich, die sich durch gesellschaftliche Veränderungen benachteiligt sehen und glauben, dass sie wegen der enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten um den Lohn ihrer harten Arbeit gebracht werden.

Die meisten Beobachter:innen sind sich einig, dass der Erfolg von One Nation vor allem auf Kosten der Liberal Party ging, die sich als wichtigste konservative Oppositionspartei derzeit in einer Dauerkrise befindet. Neben internen Machtkämpfen, die die Liberalen und ihre Koalitionspartner von der National Party deutlich geschwächt haben, gelingt es den Liberalen wegen ihres Umgangs mit Frauen innerhalb der Partei und ihren überholten Einstellungen zu deren gesellschaftlicher Rolle auch nicht, bei dieser Wählergruppe viel Zustimmung zu finden.

Außerdem haben einige prominente Mitglieder die Liberal Party und die National Party verlassen und sind zu One Nation übergetreten. Unter ihnen sind auch der ehemalige stellvertretende Premierminister Australiens, Barnaby Joyce, und Cory Bernardi, der bis 2017 den Liberalen angehörte und immer wieder mit extremistischen Positionen auffiel, beispielsweise indem er die 2012 Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Ehen mit der sozialen Akzeptanz von bestiality (Sex mit Tieren) gleichsetzte, wovon er sich bisher auch nicht distanziert hat.

Mittlerweile ist Bernardi zum Vorsitzenden von One Nation in Südaustralien aufgestiegen. In seiner Rede am Wahlabend sagte er zwar, er werde allen anderen Parteien im Unterhaus »kooperativ« begegnen, versprach aber gleichzeitig, sein erstes Ziel sei die Abschaffung der Stimme der Indigenen im südaustralischen Parlament – eine Art Konsultationspflicht. One Nation war damit vor allem bei älteren Wählern erfolgreich, die sich durch gesellschaftliche Veränderungen benachteiligt sehen und glauben, dass sie wegen der enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten um den Lohn ihrer harten Arbeit gebracht werden.

Nicht zuletzt hat der Anschlag am Bondi Beach in Sydney im vergangenen Dezember (Jungle World 1/2026) die Stimmung der australischen Wähler:in­nen beeinflusst und sie empfänglicher für einwanderungsfeindliche Botschaften gemacht, wie sie bei One Nation zum Standardrepertoire gehören. Während des jüdischen Chanukka-Fests erschossen zwei Männer 15 Personen. Die Täter waren nach Angaben der Behörden vom »Islamischen Staat« zu den Taten inspiriert worden.

Welche Folgen hat nun der Wahlerfolg von One Nation und welche Rolle spielt dabei Pauline Hanson, die Gründerin und Vorsitzende der Partei? Wohl keine Person ist in Australien so umstritten. Zuerst engagierte sich Hanson, damals eine alleinerziehende Mutter und Imbissbesitzerin, bei der Liberal Party, der sie 1995 beitrat. Die Liberalen nominierten sie bei den Bundeswahlen 1996 als Kandidatin für den Wahlkreis Oxley. Kurz vor der Wahl entzog ihr die Partei wegen umstrittener Äußerungen über die australischen Indigenen die Unterstützung, sie konnte jedoch nicht mehr von den Wahlzetteln gestrichen werden – überraschend gewann sie und saß fortan als Unabhängige im australischen Abgeordnetenhaus. Ein Jahr später gründete sie One Nation, scheiterte aber 1998 beim Versuch, wieder ins Parlament gewählt zu werden.

Hanson war die erste australische Politikerin, die in den neunziger Jahren eine Website und einen Blog einrichtete.

Hanson verstand sich von Anfang an als Stimme der »abgehängten« Austra­lier:innen, jener, die von den beiden großen Parteilagern – Labor einerseits, Liberal Party und Nationals andererseits – angeblich nicht gehört werden. Sie war die erste australische Politikerin, die in den neunziger Jahren eine Website und einen Blog einrichtete. Von ihren Konkurrenten wurde sie belächelt. Dennoch gelang es ihr, die damals regierenden Liberalen vor sich herzutreiben. Vor allem in der Asyl- und Migrationspolitik fassten ihre extremen Einstellungen schnell Fuß, weil die Liberalen ihre Positionen übernahmen.

Nach dem enormen Aufsehen, das Hanson in ihren Anfangsjahren verursacht hatte, ging es jedoch bald bergab für sie. Im Januar 2002 verließ sie ihre Partei. Ein Jahr darauf wurde sie wegen Wahlbetrugs für elf Wochen inhaftiert, das Urteil wurde später jedoch wieder aufgehoben. 2007 gründete sie eine neue Partei, Pauline’s United Australia Party, und kandidierte bei der Wahl im selben Jahr erfolglos für einen Senatssitz in Queensland. 2010 löste sie ihre Partei auf. Drei Jahre später trat sie erneut One Nation bei und verfehlte im selben Jahr erneut den Einzug in den Senat. Trotzdem gab sie sich nicht geschlagen, nicht zuletzt, da die Medien ihren verbalen Eskapaden und ihrer hetzerischen Antimigrationsrhetorik immer wieder Aufmerksamkeit schenkten.

Entgegen allen Voraussagen gelang ihr 2016 das Comeback, als sie in den Senat gewählt wurde. Zu ihren reißerischen Aktionen gehörten zwei öffentliche Auftritte in einer Burka, angeblich um ihrer Forderung nach einem Verbot dieses Kleidungsstücks Nachdruck zu verleihen.

Einige Beobachter:innen meinen, dass One Nation weder über ausreichende Strukturen noch über genug loyale Mitglieder verfüge, um langfristig in der australischen Politik erfolgreich zu sein. Dennoch besteht die Gefahr, dass One Nation die politischen Debatten in Staat und Gesellschaft dauerhaft beeinflussen wird.