Welle des Terrors gegen Juden
Die Liste antisemitisch motivierter Gewalttaten allein des März ist erschütternd lang: In der ersten Woche wurden gleich drei Synagogen in Toronto beschossen. Am 9. März explodierte ein Sprengsatz vor einer Synagoge im belgischen Lüttich. Am 12. März fuhr ein bewaffneter Angreifer ein mit großen Mengen an explosivem Material beladenes Fahrzeug in eine Synagoge bei Detroit. Mitte März folgte ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Rotterdam und ein Sprengstoffanschlag auf eine jüdische Schule in Amsterdam. In der Nacht auf den 23. März verübten drei junge Männer in London einen Brandanschlag auf einen jüdischen Rettungsdienst und zerstörten dabei vier Krankenwagen.
Das Secure Community Network – eine jüdische Organisation, die sich auf die Sicherheit jüdischer Einrichtungen in den USA spezialisiert hat – registrierte allein in den ersten fünf Tagen des Iran-Kriegs 8.200 Drohungen im Internet, von denen viele direkte Aufrufe zu Gewalt gegen jüdische Einrichtungen enthielten. Das ist die höchste Zahl, die jemals in einem so kurzen Zeitraum verzeichnet wurde.
Eine Untersuchung von ABC Investigations hat gezeigt, dass das Netzwerk, aus dem die Attentäter vom Bondi Beach stammten, auch für Dutzende Angriffe gegen schwule Jugendliche verantwortlich war.
Der Anschlag von Detroit zeigt, dass diese Drohungen bei weitem nicht immer nur Worte bleiben. Aufgrund der Beweislage stuft das FBI den Angriff mittlerweile als von der Hizbollah inspirierten Terrorakt ein. Der Täter hatte vor der Tat seiner Schwester im Libanon ein Video geschickt. Darin sagte er: »Das ist der größte Treffpunkt für Israelis im Bundesstaat Michigan in den Vereinigten Staaten. Ich habe das Auto präpariert. Ich werde gewaltsam eindringen und anfangen zu schießen. So Gott will, werde ich so viele von ihnen töten, wie ich kann.« Dass es außer dem Täter selbst, der sich nach einem Schusswechsel mit der Polizei erschoss, keine weiteren Toten gab, ist den erhöhten Sicherheitsvorkehrungen an Ort und Stelle zu verdanken. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich 140 Schüler und ihre Betreuer in der Synagoge.
Zu den Anschlägen in den Benelux-Staaten sowie dem in London hat sich eine Gruppe namens Harakat Ansar Allah al-Awfiya bekannt. Dem niederländischen Think Tank International Centre for Counter-Terrorism zufolge scheint es die Gruppe vor dem 9. März nicht gegeben zu haben. Sie verfügt auch über keine eigenen Social-Media-Kanäle, sondern verbreitet ihre Botschaften über Kanäle, die den Revolutionsgarden und der Hizbollah nahestehen. Der erste Post in ihrem Namen zirkulierte auf einem Telegram-Kanal, der einer proiranischen Miliz aus dem Irak zugeordnet wird. Darin verkündet die Gruppe »den Beginn ihrer militärischen Operationen gegen US-amerikanische und israelische Interessen weltweit«. Experten zufolge ist es nicht klar, ob es sich bei der Gruppe tatsächlich um einen Ableger des iranischen Regimes handelt oder ob eine andere antisemitische Gruppe durch sie versucht, ihre Spuren zu verwischen. Wegen des Anschlags auf den jüdischen Rettungsdienst in London sind mittlerweile vier junge Männer verhaftet worden.
Der US-israelische Krieg gegen den Iran mag eine neue antisemitische Angriffswelle ausgelöst haben, aber die Bedrohungslage ist für Juden weltweit bereits seit dem 7. Oktober extrem hoch – und tödlich. Jeder jüdische Feiertag ist eine Hochrisikophase. An Yom Kippur im vergangenen Jahr wurden bei einem Anschlag auf eine Synagoge in Manchester zwei Personen ermordet und drei verletzt. Wenige Monate später töteten zwei Terroristen am Bondi Beach in Australien 15 Menschen und verletzten 43 weitere. Jüdinnen und Juden hatten dort Chanukka gefeiert. In beiden Fällen hatten sich die jeweiligen Attentäter zum »Islamischen Staat« (IS) bekannt. Im Fall von Bondi Beach hat eine Untersuchung von ABC Investigations gezeigt, dass das Netzwerk, aus dem die beiden Mörder stammten, auch für Dutzende Angriffe gegen schwule und bisexuelle Jugendliche in den vergangenen Jahren verantwortlich war. Die oft selbst minderjährigen und islamistisch radikalisierten Täter lockten ihre Opfer über Dating-Apps zu Orten, wo sie sie dann zusammenschlugen und die Taten filmten. Zwar hat die Polizei die Fälle untersucht, in denen Anzeige erstattet wurde, doch scheinen die Behörden die von diesem Netzwerk ausgehende Gefahr nicht richtig eingeschätzt zu haben. Einige von ihnen besuchten eine fundamentalistische Moschee, deren Imam der Ansicht war, Homosexualität müsse »mit dem Tod bestraft werden«. Der mutmaßliche Anwerber dieser Jugendlichen, ein Gewaltverbrecher, war 2023 aus einem strengen Überwachungsprogramm entlassen worden, obwohl die Polizei ihn als Mitglied einer Zelle des IS identifiziert hatte, die Jugendliche anwarb.
Derweil gehen Antizionisten, die einer Kampagne der BDS-Bewegung für eine sogenannte Apartheid Free Zone nahestehen, in mehreren britischen Städten und Vierteln wie Hackney in London, in dem viele Juden wohnen, von Tür zu Tür, um die Bewohner dazu zu drängen, israelische Produkte zu boykottieren. Dabei notieren sie zu den Adressen, ob ihren Ideen zugestimmt wird oder nicht. Jüdische Organisationen und Politiker forderten die Polizei auf, nicht untätig zu bleiben und den Vorwürfen von Gewalt und Belästigung nachzugehen.