09.04.2026
K-Pop, Alternative und Jeff Buckley

Wem der Gong schlägt

Popkolumne. Neue Musik von BTS (Korea) und Angine de Poitrine (Kanada), dazu eine filmische Hommage an Jeff Buckley.

Während Fans der K-Pop-Gruppe BTS gerade weltweit den Klang der Heiligen Glocke von König Seongdeok auf dem neuen Album »Arirang« rauf- und runterstreamen (Arirang ist eigentlich ein traditionelles koreanisches Volkslied) und sich damit sanft in an John Cage erinnernde Gefilde entführen lassen, freut sich die alternative Rockgemeinde gerade über das kanadische Duo Angine de Poitrine, das in skurrilen Kostümen irgendwo zwischen The Residents, dem Sun Ra Arkestra und Man or Astro-man? auftritt. Die Band spielt zackigen, mikrotonalen Math-Rock und hat am Osterwochenende ihr zweites Album herausgebracht. Angine de Poitrine besteht aus den den stets maskiert auftretenden Musikern Khn (Gitarre) und Klek (Schlagzeug). Spätestens seit einem viral gegangene Live-Video auf KXCP in Seattle gehören ihre Reels zu den meistgeteilten Videos im Indie-Rock-Teil des Internets.

Schön zu sehen, wie komplett massenuntaugliche Musik mit der richtigen Bilderwelt eben doch die Leute begeistern kann.

Schön zu sehen, wie komplett massenuntaugliche Musik mit der richtigen Bilderwelt eben doch die Leute begeistern kann. Und wie liebevoll gefertigte Kostüme und Spielwitz all den lustlosen, KI-generierten Müll in den Boden rocken. Im Herbst kommt die Band für ein paar Shows nach Deutschland.

Wem Gong-Meditiationen oder mikrotonaler Progrock zu weit weg vom Songwriting sein sollten, der könnte sich stattdessen »It’s Never Over, Jeff Buckley« in ausgesuchten Kinos anschauen. Der Musiker galt in den neunziger Jahren als größtes Gesangstalent seiner Generation. Mit seinem unverwechselbaren, zerbrechlichen Timbre zwischen Chanson, Rock und Blues ist er vor allem mit seiner Version von Leonard ­Cohens »Hallelujah« berühmt geworden. Sein Debütalbum »Grace« gilt als eines der wichtigsten US-amerikanischen Alben der neunziger Jahre.

In ihrer Hommage führt Regisseurin Amy Berg Gespräche mit Jeff Buckleys Mutter, die ihren Sohn allein großziehen musste. Sein Vater, der Musiker Tim Buckley, hat sich nicht um den Sohn gekümmert; er starb früh an einer Überdosis. Obwohl Jeff Buckley in seinen expressiven Momenten stimmlich an seinen Vater erinnert, wird klar, wie sehr er unter der Abwesenheit des Vaters gelitten und den Vergleich mit ihm gehasst hat. Animierte Comicfetzen aus Jeffs scrapbook, intimes Archivmaterial, Interviews mit seinen beiden Ex-Freundinnen und seinen Bandkollegen ergänzen das Bild eines rätselhaften Künstlers, der im Alter von nur 30 Jahren ertrunken ist. Sein musikalisches Werk klang tatsächlich aber schon zu Lebzeiten wie ein Requiem.