09.04.2026
Unterstützung der Ukraine

»Wir bauen Antifa-Drohnen gegen den russischen Imperialismus«

Das Prager Kollektiv Solidrones sammelt Spenden und fertigt damit Kamikaze-Drohnen an. Die schicken sie in die Ukraine, um antifaschistische Soldat:innen dabei zu unterstützen, sich gegen die russische Invasion zu wehren. Die Jungle World hat Solidrones besucht und mit einem Kollektivmitglied über deren Arbeit gesprochen.

Wie kamt ihr dazu, Drohnen für die Ukraine zu bauen?

Wir waren schon länger mit der Kiewer NGO Solidarity Collectives in Kontakt und haben sie mit Equipment unterstützt. Die Verbindung kam durch die antifaschistische Szene zustande. Vor etwa zwei Jahren wurden Drohnen zu einem großen Thema – wegen des Mangels an Artillerie für die ukrainische Armee aus dem Westen. Wir dachten damals also darüber nach, Drohnen zu bauen, und zur selben Zeit erfuhren wir von Solidarity Collectives, dass sie ebenfalls planten, eine Drohnenwerkstatt aufzumachen. Also kooperierten wir. Wir schicken 90 Prozent unserer Drohnen an sie. Sie pflegen Kontakte zu antiautoritären Soldat:innen, die sie unterstützen. An sie leiten sie auch unsere Drohnen weiter.

Wie viele seid ihr und wie viel Zeit verbringt ihr mit dem Drohnenbau?

Wir sind bis zu zehn Personen, es variiert immer etwas. Es sind ein paar Abende pro Woche, die wir auf die Drohnen verwenden – manchmal vier, wenn wir sehr viel Arbeit haben.

War es schwer zu lernen, wie man Drohnen baut?

Wir haben bislang mehr als 300 Drohnen gebaut und wir lernen immer noch dazu. Es ist wirklich eine komplexe Angelegenheit, es gibt sehr viele technische Details. Wenn du weißt, wie man eine Drohne mit 7-Inch-Propellern baut, weißt du immer noch nicht, wie man eine 20-Inch-Drohne mit Navigation fertigt. Um nur die Grundlagen zu erlernen, haben wir ein paar Monate gebraucht. Es gibt online sehr viele Materialien auf Ukrainisch. Generell ist das Internet voll mit Informationen darüber, wie man Hobbydrohnen baut. Aber auf Youtube weiß man nicht, ob die Person, die vielleicht gut darin ist, Videotutorials zu machen, auch wirklich gut ­darin ist, Drohnen zu bauen. Vielleicht sind diese Drohnen auch gut genug für Hobbyflieger, aber nicht für das Militär.

Worin besteht der Unterschied?

»Generell ist das Internet voll mit Informationen darüber, wie man Hobbydrohnen baut. Vielleicht sind diese Drohnen auch gut genug für Hobbyflieger, aber nicht für das Militär.«

Löten ist das A und O. Wenn man es bei einer Hobbydrohne nicht super sauber hinkriegt, wird sie trotzdem relativ normal fliegen. Militärdrohnen müssen mehr Gewicht tragen und auch unter schlechten Witterungsbedingungen funktionieren. Man muss wirklich auf alle Details achten.

Welches Feedback bekommt ihr von den Soldaten?

Dass unsere Drohnen super sind.

Die Drohnen werden als Waffen genutzt. Hattet ihr da je moralische Bedenken?

Wir bauen Antifa-Drohnen gegen den russischen Imperialismus. Wenn jemand dich angreift, dich töten will, hast du jedes Recht dazu, dich mit allem, was du hast, zu verteidigen. Das ist unsere Einstellung. Als wir anfingen, war das mitten in der Awdijiwka-Offensive (russische Offensive gegen die ukrainische Stadt in der Oblast Donezk ab 2022; Anm. d. Red.). Wir kannten einige Soldat:innen, die dort waren. Im Grunde dachten wir immer: Was, wenn sie ohne Munition bleiben? Russland besaß damals Artilleriegeschosse im Verhältnis zehn zu eins. Das war eine schreckliche Situation. Wir haben uns also gefragt: Was können wir tun, um unsere Freunde vor dem Tod zu bewahren? Und auch jetzt helfen Drohnen den Soldat:innen, zu verhindern, dass ihre Positionen gestürmt werden. Jede Drohne, die wir ihnen übergeben, ist ein Werkzeug zu ihrer Verteidigung.

Wie viele Spenden bekommt ihr?

Früher waren es etwa 4.000 Euro pro Monat, inzwischen ist es leider weniger. Eine Drohne kostet uns derzeit knapp über 300 Euro. Hätten wir mehr Ressourcen, könnten wir viel mehr Drohnen bauen.