Coco auf Menschenjagd
Es lag an Coco, dass ich mich neulich mal wieder mit dem Thema Sklaverei beschäftigte. Denn Hunde – nicht Coco natürlich, aber Hunde allgemein – gehörten zu dem System der Sklavenhaltung dazu, auch wenn sie im Code noir (Schwarzes Gesetzbuch) nicht explizit genannt werden.
In diesem Dekret zur Regelung des Umgangs mit den schwarzen Sklaven, das bis 1848 in Kraft war, hatte Frankreichs König Ludwig XIV. 1685 in 60 Artikeln festgelegt, wie in so ziemlich jeder mögliche Situation zu verfahren sei, etwa: »Herren dürfen Sklaven in Ketten legen und schlagen, aber sie dürfen sie nicht foltern.« Oder: »Kinder von einem männlichen Sklaven und einer freien Frau sind frei.« »Entflohenen Sklaven, die länger als einen Monat verschwunden waren, werden die Ohren abgeschnitten und sie werden gebrandmarkt. Beim zweiten Mal wird ihre Achillessehne durchschnitten und sie werden wieder gebrandmarkt. Beim dritten Mal werden sie hingerichtet.«
60 schauerliche Paragraphen
60 schauerliche Paragraphen, die fast 200 Jahre für die französischen Kolonien galten. Bezeichnenderweise jedoch: Bevor in 59 Punkten der Umgang mit den Sklaven dezidiert festgelegt wird, lautet der allererste Paragraph: »Juden dürfen nicht in den französischen Kolonien wohnen.« Erstmal Juden raus!
Der Einsatz von Hunden wird dort nicht geregelt, dabei hatte man speziell zum Zwecke der Verfolgung entlaufener Sklaven Hunderassen gezüchtet, beziehungsweise Hunde entsprechend abgerichtet: den Kubanischen Bluthund etwa oder den Fila Brasileiro, die als sogenannte slave tracker (Sklavenverfolger) eingesetzt wurden.
Coco ist zwar nicht schlecht als Maintrailerin, aber ganz ehrlich, sie bevorzugt es, kleine Gummiteile zu suchen, das kann sie extrem gut.
Was nun hat Coco mit diesen abscheulichen Dingen zu tun? Nun, eines ihrer Hobbys ist mantrailing, und das ist im Grunde nichts anderes. Es dient heutzutage nur nicht mehr der Sklavenjagd auf Plantagen, sondern im Rettungswesen zum Aufspüren vermisster Personen. Diesen gewagten Zusammenhang habe nicht ich mir ausgedacht. Auf der Hundesport-Website »Mantrailing-Schweiz« etwa kann man nachlesen: »Historische Aufzeichnungen zeigen, dass schon im alten Ägypten der Hund zum Aufspüren entlaufener nubischer Sklaven eingesetzt wurde. Erste Anzeichen – wenn auch mit fragwürdigem, menschenverachtendem Hintergrund – für eine Personensuche mit Hunden.«
Doch keine Sorge, Coco ist zwar nicht schlecht als Maintrailerin, aber ganz ehrlich, sie bevorzugt es, kleine Gummiteile zu suchen, das kann sie extrem gut. Sie hat also ein neues Hobby. Und ich bin froh, denn in diesem Fall fällt mir keinerlei menschenverachtende Anwendung dieser Fähigkeit ein. Möge sie also üben und erfolgreich sein, solange sie Spaß daran hat. Irgendwo werden sicher immer mal Gummiteile vermisst.